• Kritik an Studiengebühren in Großbritannien: „Als Markt funktionieren Unis nicht“

Kritik an Studiengebühren in Großbritannien : „Als Markt funktionieren Unis nicht“

In Großbritannien hat der Staat bislang auf Wettbewerb zwischen den Universitäten gesetzt, die statt Regierungsgelder zu bekommen, um Studenten und deren satte Gebühren buhlen. Jetzt bezeichnet eine Kommission dieses System als "nicht zukunftsfähig".

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Teures Studium. Ein Jahr an einer Uni (hier Oxford) kostet bis 9000 Pfund.
Teures Studium. Ein Jahr an einer Uni (hier Oxford) kostet bis 9000 Pfund.Foto: Reuters

Studierende zahlen bis zu 9000 Pfund (11 000 Euro) jährlich Gebühren, der Staat kürzt den Unis im Gegenzug die Grundfinanzierung: Mit dieser Reform hat Großbritannien seit 2011 sein Hochschulwesen verändert. Jetzt hat eine Expertenkommission die Auswirkungen untersucht – und ist zu einem kritischen Urteil gekommen. „Das derzeitige System ist nicht zukunftsfähig“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Report, über den der „Guardian“ berichtet. Das Urteil überrascht insofern, weil in dem Gremium neben Wissenschaftlern und Ökonomen Mitglieder aller drei im Unterhaus vertretenen Parteien vertreten sind, also auch die Regierungsparteien.

Studenten als Kunden

Die konservative Regierung wollte mit den Studiengebühren einen Schuss Marktwirtschaft im Bildungswesen einführen: Wenn Studierende wie Kunden zahlen, hebe das das Angebot und die Qualität der Hochschulen, lautete die Hoffnung. Nichts davon sei eingetreten, heißt es nun. Es gebe kaum neue Studienangebote, nur „minimale“ Innovationen in der Lehre, und selbst die Höhe der Gebühren variiere kaum, da fast alle Unis den Maximalbetrag nehmen. „Den Marktgedanken in den Bildungsbereich einzuführen, obwohl dieser eben nicht wie ein Markt funktioniert, setzt die finanzielle Nachhaltigkeit dieses Sektors aufs Spiel“, heißt es.

„Derzeit hat jeder Akteur im britischen Bildungswesen das Gefühl, ein schlechtes Geschäft zu machen“, heißt es weiter. Zwar würde den Studierenden ein Teil ihrer Gebührenschuld erlassen, sollten sie im Beruf zu wenig verdienen. Da dieser Erlass aber erst spät im Lebenslauf greife, litten sie dennoch lange unter der hohen Schuldenlast (im Schnitt 44 000 Pfund pro Absolvent). Der Staat wiederum gleiche die Zahlungsausfälle der Studierenden aus und finanziere so indirekt doch die Unis weiter, was aber keiner anerkenne. Die Unis hätten wegen der tiefen Einschnitte bei der Grundfinanzierung ohnehin insgesamt weniger Mittel zur Verfügung.

Die Experten drücken sich allerdings um Empfehlungen, wie die Fehler des Systems geheilt werden könnten.

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