Kürzung bei Fachhochschulen in Berlin : Halbierte Forschung

Berlin will beim Forschungsinstitut der Fachhochschulen sparen. Die an dem Institut beteiligte IHK warnt vor Schäden für den Standort. Beim Forum Transregionale Studien ist die Totalkürzung offenbar vom Tisch, es bekommt ein "Existenzminimum".

von und
Über 160 Studierende konnten bislang in Projekten des FH-Forschungsinstituts IFAF forschend lernen.
Über 160 Studierende konnten bislang in Projekten des FH-Forschungsinstituts IFAF forschend lernen.Foto: HWR

Berlins Fachhochschulen stehen vor finanziellen Einschnitten in ihre Forschung. Fortan soll ihr gemeinsames „Institut für angewandte Forschung e.V. (IFAF)“ nur noch die Hälfte der bisherigen Mittel bekommen, nämlich eine Million Euro jährlich statt wie bisher zwei Millionen Euro. So steht es in der Haushaltsplanung, die der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses am kommenden Mittwoch verabschieden will. 

Doch damit würde eine Einrichtung halbiert, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens mit wenig Geld viel bewegt hat, heißt es aus den Fachhochschulen wie aus der Berliner Wirtschaft: „Das würde die zarte Pflanze Forschung an Fachhochschulen hart treffen“, sagt Friederike Maier, die Vizepräsidentin der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) und stellvertretende Vorsitzende des IFAF, auf Anfrage. Auch kleine Unternehmen der Region, die bislang von dem Programm profitiert haben, würden leiden, sagt Maier. Petra König, die in der Industrie- und Handelskammer (IHK) für den Bereich Innovation zuständig ist, sagt denn auch: „Das gefällt uns gar nicht.“

Das IFAF fördert seit dem Jahr 2009 Forschungsprojekte von Fachhochschulen. Die Programme sind so gestrickt, dass dabei Synergien entstehen: Immer zwei Hochschulen müssen sich zusammenfinden und zugleich einen Partner aus der Wirtschaft der Region vorweisen können. Im Kuratorium des Instituts sind darum auch die Handwerkskammer Berlin, die Unternehmensverbände und die IHK vertreten. Die gemeinsamen Forschungsprojekte reichen von Themen wie „Alternde Gesellschaft“ über „Medizinische Diagnostik“ bis zu „Unternehmensgründung“. Über 160 Studierende konnten bislang in IFAF-Projekten forschend lernen. Das Konzept kam auch bei den externen Gutachtern, die es zwei Mal evaluierten, gut an.

Fachpolitiker wollen, dass das IFAF verschont wird

Petra König von der IHK lobt, dass das IFAF „inzwischen zum Selbstläufer geworden ist“. Es habe sich in der Region bekannt gemacht, so dass inzwischen Unternehmen von sich aus mit Ideen für die Forschung auf die Fachhochschulen zugehen. Umso unerklärlicher ist König, dass das Institut nun seine Programme halbieren soll. 16 Anträge für die Auswahlrunde im Frühjahr seien eingegangen, acht habe das IFAF fördern wollen. Sollten die Parlamentarier ihren Beschluss nicht mehr ändern, würden es höchstens noch vier sein, sagt König. Die Fachpolitiker aus dem Forschungsausschuss haben dem Hauptausschuss „dringend empfohlen“, das IFAF zu verschonen, sagt der CDU-Abgeordnete Michael Braun auf Anfrage: „Wir bleiben am Ball.“

Die Regionalforscher müssen über eine Million sparen - aber überleben

Neue Hoffnung gibt es hingegen für das Forum Transregionale Studien, das am Wissenschaftskolleg angesiedelt ist. Ursprünglich sollte die Einrichtung, die Forschung zu einzelnen Weltregionen wie Ostasien oder dem Nahen Osten mit Fächern wie Geschichte oder den Rechtswissenschaften vernetzt und internationale Stipendiaten nach Berlin holt, gar kein Geld mehr vom Land bekommen. Nun soll es doch noch 300 000 Euro im Jahr erhalten.

Gegenüber dem bisherigen Zuschuss von gut 1,5 Millionen Euro jährlich sei das „ein Existenzminimum, mit dem wir die Geschäftsstelle erhalten können“, sagt der Geschäftsführer des Forums, Georges Khalil. Die Forschungsprogramme seien damit aber nicht gesichert, denn eine Förderung des Bundes von immerhin 3,5 Millionen Euro bis 2017 sei an den Auftrag gebunden, ein bundesweites Netzwerk der Regionalstudien aufzubauen. Es gebe aber Hoffnung für Programme wie „Europa im Nahen Osten“ und „Rechtskulturen“: Damit die bereits eingeladenen 30 Stipendiaten wie vereinbart bis zum Sommer 2014 in Berlin bleiben können, seien Stiftungen um Nothilfe gebeten worden – mit ersten Erfolgen.