Leben in unterirdischem See : Forscher finden Mikroben unterm Eis der Antarktis

800 Meter unter dem antarktischen Eisschild liegt Lake Whillans. Darin leben fast 4000 verschiedene Bakterien. Sie leben in völliger Dunkelheit und "fressen Gestein".

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Nahaufnahme. Diese Aufnahme wurde mit einem Elektronenmikroskop gemacht, sie zeigt einen Mikroorganismus aus dem Lake Whillans.
Nahaufnahme. Diese Aufnahme wurde mit einem Elektronenmikroskop gemacht, sie zeigt einen Mikroorganismus aus dem Lake Whillans.Foto: Trista Vick-Majors

Unter dem Eis der Antarktis wurden bisher mehr als 400 Seen aufgespürt. Seit langem vermuten Wissenschaftler, dass es in diesen „subglazialen“ Tümpeln Leben gibt. Den Beweis dafür präsentieren jetzt Brent Christner von der Universität von Louisiana und Kollegen – vorausgesetzt sie haben wirklich sauber gearbeitet. Es wäre nicht das erste Mal, dass es bei einer Bohrung im Eis zu Verunreinigungen kommt.

Ihre Lebensweise ähnelt der von Tiefseeorganismen

Das Team versichert, die strengen Vorschriften eingehalten und eine tadellose Wasserprobe aus dem 800 Meter tief gelegenen Lake Whillans in der Westantarktis geholt zu haben. Wie sie im Fachblatt „Nature“ berichten, fanden sie darin eine ganze Fülle verschiedener Bakterien und Archaeen („Urbakterien“). Die Analyse von Erbgutbruchstücken in der Wasserprobe verwies auf mindestens 3931 verschiedene Arten. Auch die chemischen Messwerte zeigten, dass in der Tiefe ein Ökosystem existiert.

Arbeiten in der Kälte. Die Forscher verfolgen die Erkundung des Bohrlochs über eine Kamera.
Arbeiten in der Kälte. Die Forscher verfolgen die Erkundung des Bohrlochs über eine Kamera.Foto: Reed Scherer

Bei ihrem Stoffwechsel müssen die Mikroben ohne Sonnenlicht auskommen, das an der Oberfläche eine wichtige Rolle spielt. Stattdessen ähnelt ihre Lebensweise eher der von Tiefseeorganismen, erläutert Martyn Tranter von der Universität Bristol in einem begleitenden Artikel. Als Energiequelle dienen den Mikroben vermutlich verschiedene Eisen-, Schwefel-, Phosphor- und Stickstoffverbindungen, die im Wasser des subglazialen Sees sowie im Sediment am Boden enthalten sind. Indem sie aktiv dazu beitragen, bestimmte Minerale zu zersetzen, könne man sie auch als „Gesteinsfresser“ bezeichnen, schreibt Tranter. Nicht zuletzt verwerten sie auch abgestorbene Organismen.

Nicht alle Forschungsbohrungen führten zum Erfolg

Nach Ansicht des Forschers ist die Studie nicht nur ein Meilenstein für die Polarforschung, die sich seit langem mit Leben unter Extrembedingungen befasst. Sie werfe auch die Frage auf, ob es auf anderen Himmelskörpern wie dem Mars ebenfalls primitive Organismen gibt, die unter einer Eisschicht leben und sich von Steinen ernähren.

Der Lake Whillans, aus dem im Januar 2013 besagte Proben entnommen wurden, ist nicht der einzige See, der angebohrt wurde. Russische Forscher hatten 2012 den vier Kilometer tief gelegenen Wostoksee erreicht. Das Wasser des Sees drang ins Bohrloch ein und gefror, Proben konnten erst Monate später geborgen werden. Die Sensation, eine neue Bakterienart in dieser Tiefe entdeckt zu haben, musste aber revidiert werden. Es handelte sich um Kontaminationen. Der Versuch von britischen Forschern, Lake Ellsworth anzubohren, musste wegen technischer Probleme abgebrochen werden.

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