Malaria als Medizin : Mit Parasiten gegen Syphilis

Gretchen Vogel

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts drohte Menschen mit Neurosyphilis ein grausamer Tod. Bei diesen Patienten hatte das Syphilisbakterium das Nervensystem angegriffen. Sie entwickelten Wahnvorstellungen, litten unter Demenz und fortschreitender Lähmung. Ein Heilmittel gab es nicht.

Ärzte besannen sich auf eine Theorie, die im späten 19. Jahrhundert weit verbreitet war: dass ein hohes Fieber psychische Erkrankungen heilen könne. Der österreichische Psychiater Julius Wagner-Jauregg war ein Befürworter dieser Theorie. 1917 wurde ein Soldat, der im Balkan gekämpft und sich dort mit Malaria infiziert hatte, in seine Klinik eingewiesen. Jauregg nahm ihm Blut ab und behandelte damit neun Patienten mit Neurosyphilis. Sechs von ihnen ging es bald besser. Die Malariatherapie wurde in Europa und den USA als Wunderheilung gefeiert. Bevor 1940 Penicillin seinen Siegeszug antrat, infizierten Ärzte zehntausende Syphilispatienten mit Malariaerregern, meist P. vivax. Etwa der Hälfte der Patienten half die Therapie, auch wenn bis heute unklar ist wie genau. Jauregg erhielt für seine Entdeckung 1927 den Medizin-Nobelpreis.

Der medizinische Einsatz von P. vivax habe vermutlich dazu beigetragen, dass die Krankheit, die der Parasit verursacht, später kaum ernst genommen wurde, sagt Kevin Baird von der Eijkman Oxford Clinical Research Unit in Jakarta. Weil Ärzte Vivax als Heilmittel einsetzten, nahmen viele Menschen an, der Erreger müsse relativ harmlos sein. Das war ein Trugschluss. Die Therapie rettete zwar manche Menschen, sagt Baird. Aber sie tötete auch bis zu 15 Prozent der Patienten, obwohl die Infektion von Ärzten überwacht und behandelt wurde.

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