Medizin : Erwachsene Frauen bilden neue Eizellen

Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass erwachsene Frauen doch neue Eizellen bilden. Damit bringen die Forscher eine jahrzehntealte Lehrmeinung erneut ins Wanken.

von
Forscher haben herausgefunden: Frauen bilden neue Eizellen.
Forscher haben herausgefunden: Frauen bilden neue Eizellen.Foto: dpa

Ein Mädchen kommt mit allen Eizellen zur Welt, die es jemals haben wird, so sagt es das Lehrbuch seit den 50er Jahren. Für die bei der Geburt vorhandenen Eizellen gibt es keinen Nachschub. Dieses Dogma bringen nun Jonathan Tilly und seine Kollegen von der Harvard Medical School und der Medizinischen Universität Saitama, Japan, ins Wanken.

Wie die Forscher im Fachjournal „Nature Medicine“ schreiben, gibt es in den Eierstöcken junger Frauen noch Stammzellen, die sich im Labor zu unreifen Eizellen weiterentwickeln können. Dies eröffne Reproduktionsmedizinern Forschungsperspektiven, die noch vor zehn Jahren undenkbar waren – vom besseren Verständnis, was die Entwicklung menschlicher Eizellen beeinflusst bis hin zu neuen Strategien, um die Fruchtbarkeit von Krebspatientinnen zu erhalten oder unfruchtbaren Frauen einen Kinderwunsch zu erfüllen. Tilly hat ein Patent auf die menschlichen Ei-Stammzellen angemeldet und will die neuen Möglichkeiten in seiner Biotech-Firma Ova-Science ausloten.

Bereits 2004 hatten Tilly und seine Kollegen in „Nature“ berichtet, dass erwachsene Mäuse weiterhin Eizellen produzieren können. Damals schlug den Forschern enorme Skepsis entgegen: „Innerhalb von zwei Jahren gab es mindestens 30 beißende Kommentare von verschiedenen Wissenschaftlern. Alle behaupteten, dass unsere Daten unglaubwürdig oder schlicht falsch seien“, sagt Tilly. „Wir wurden außerdem daran erinnert, dass Menschen keine großen Mäuse seien. Außer in Disneyland.“ Sein Team habe alles daran gesetzt, die Ergebnisse für den Menschen zu bestätigen.

Von japanischen Kollegen bekamen die Forscher gefrorenes Gewebe von sechs Frauen; den 22- bis 33-Jährigen waren die Eierstöcke bei einer Geschlechtsumwandlung entnommen worden. Um die seltenen Stammzellen von den Eizellen zu isolieren, nutzten die Forscher einen Antikörper. Er bindet an das Protein DDX4, das bei reifen Eizellen komplett in der Zelle verschwindet, bei Stammzellen jedoch teilweise aus der Zelle ragt. Mithilfe eines weiteren Proteins ließen die Forscher die Stammzellen grün leuchten. Sie injizierten die grünen Stammzellen in menschliches Eierstockgewebe und transplantierten es unter die Haut lebender Mäuse. Nach zwei Wochen entstanden dort unreife, menschliche Ei-Follikel. Auch in einer Petrischale mit menschlichem Eierstockgewebe klappte es, die Forscher konnten die Entwicklung menschlicher Eizellen erstmals im Zeitraffer aufnehmen. Nun müssen andere Forscher das Ergebnis bestätigen.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben