Wissen : Meilensteine der Antike

FU und HU eröffnen den Exzellenzcluster „Topoi“

Tina Rohowski

Wie breitete sich das Christentum im Römischen Reich aus? Mit welchen Mitteln, zum Beispiel Meilensteinen oder religiösen Kulten, markierten antike Herrscher ihr Territorium? Und warum entwickelten sich die sesshaften Viehzüchter der Bronzezeit bis zum frühen Mittelalter zu Nomaden? Rund 250 Wissenschaftler sollen solche Fragen rund um antike Räume in den kommenden fünf Jahren beantworten – unter dem Dach des Berliner Exzellenzclusters „Topoi“, der gestern im Pergamonmuseum eröffnet wurde.

Freie Universität und Humboldt-Universität, die den Cluster vor einem Jahr im Elitewettbewerb errangen, konzentrierten die Forschungsarbeit auf fünf Schwerpunkte, sagte Friederike Fless, Archäologieprofessorin an der FU und „Topoi“-Sprecherin. Es werde um das Zusammenspiel von Natur und Kultur gehen, um die Kontrolle von Territorien, Orientierung im antiken Raum sowie um damalige Theorien über den Kosmos oder den Ort der Seele. Der fünfte Studienbereich befasse sich mit der heutigen Darstellung antiker Geschichte in Museen.

In allen Bereichen von „Topoi“ – benannt nach dem griechischen Plural für Raum oder Ort – arbeiten Natur- mit Geisteswissenschaftlern zusammen. Das sichert Methoden- und Quellenvielfalt: Es geht um Grabungsfunde, Inschriften, literarische Quellen und geologische Messungen. Darüber hinaus sind außeruniversitäre Einrichtungen, etwa das Deutsche Archäologische Institut oder Berliner Museen, an der Forschung beteiligt.

Der Cluster ermögliche auch den Aufbau neuer Professuren, sagte Ursula Lehmkuhl, Vizepräsidentin der FU. Ihre Universität werde in Wissenschaftsgeschichte und Historischer Geografie Lehrstühle einrichten. An der HU entstünden Professuren für Gräzistik, antike Philosophie und Kulturtheorie. Von den jährlich 5,6 Millionen Euro, mit denen Bund und Länder das Projekt bis 2012 finanzieren, profitierten die Studenten noch an anderer Stelle, versprach HU-Präsident Christoph Markschies: Vorlesungen würden origineller; außerdem gebe es Geld für Stipendien, Werkstellen und neue Bücher.

Angestrebt sei eine „langfristige Bündelung der Berliner Altertumswissenschaft“. Man wolle die nun aufgebauten Strukturen verstetigen. Für das kommende Jahr sei die Gründung eines „Antike-Kollegs“ geplant, das nach 2012 die gemeinsamen Projekte, die Doktorandenausbildung sowie Fellow-Programme für internationale Gäste tragen soll. Für den Cluster selbst und seine Mitarbeiter ist die Topos-Frage allerdings noch nicht gelöst: Derzeit sitzen Verwaltung und Forscher in zwei Gebäuden an HU und FU, die eher Baustellen als Spitzeninstitute sind. Für das Antike-Kolleg käme nur ein „zentraler, repräsentativer Ort“ infrage, hieß es gestern. Tina Rohowski

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