Merkurtransit : Kleiner Fleck vor der Sonne

Seltenes Schauspiel: Der Planet Merkur zog am Montag als kleiner Fleck über die Sonnenscheibe. Das nächste Mal gibt es das erst wieder 2019.

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Da isser. Merkur schiebt sich als winzig kleiner Punkt vor die Sonnenscheibe (von links kommend).
Da isser. Merkur schiebt sich als winzig kleiner Punkt vor die Sonnenscheibe (von links kommend).Foto: Patrick Pleul/dpa

Für Astronomen ist es der Höhepunkt des Jahres: der Merkurtransit am heutigen Montag. Dabei schiebt sich der Planet Merkur zwischen Sonne und Erde. Es begann um 13 Uhr 12 (MESZ), gegen 20 Uhr 40 wird der kleine schwarze Punkt die Sonnenscheibe wieder verlassen. Nur alle dreieinhalb bis 13 Jahre ereignet sich ein solches Schauspiel. Das letzte Mal, dass ein Merkurtransit von Mitteleuropa aus zu sehen war, war im Jahr 2003.

Nicht mit bloßem Auge hinschauen!

Für die Beobachtung benötigt man jedoch ein spezielles Teleskop - oder geht gleich in eine Sternwarte, die für diesen Tag besondere Programme anbieten (s. unten). Denn vor der Sonne wirkt der kleinste Planet des Sonnensystems noch einmal winziger. Während des Durchgangs überdeckt er lediglich 0,00012 Prozent der Sonnenoberfläche. Wer mit einer "Sofi"-Brille hinschauen will, wird nichts erkennen (mit bloßem Auge sollte man ohnehin niemals zu unserem Zentralstern schauen).

Der Merkurtransit ist nicht nur ein nettes Schauspiel, auch Forscher nutzen die seltene Gelegenheit für ihre Arbeit. So zum Beispiel Matthias Mallonn vom Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP). Mit einem Durchmesser von von 4878 Kilometern ist Merkur zu klein, um eine ausreichend große Gravitationskraft auszuüben, die eine Atmosphäre dauerhaft hält. Stattdessen hat er eine "Exosphäre" - und die will Mallonn untersuchen. "Die Elementarteilchen des Sonnenwinds treffen ungehindert auf die Oberfläche und führen dort zu chemischen Reaktionen", erläutert er. Dadurch werden ständig verschiedenste chemische Elemente herausgelöst, die sich bald in Richtung Weltraum verflüchtigen. "Solange sie noch in der Nähe des Merkur sind, bilden sie die Exosphäre", sagt der Forscher. "Sie ist aber sehr dünn, die Konzentration der Atome und Moleküle entspricht etwa dem, was wir hier auf der Erde als Hochvakuum bezeichnen."

Analyse des Merkurs könnte auch für Erforschung von Exoplaneten nützlich sein

Die meisten Elemente lassen sich von der Erde aus kaum detektieren - außer Natrium. Es absorbiert einen Teil des Sonnenlichts. Diese vorübergehende Abschwächung will Mallonn vermessen. Dazu wird er mit Hilfe des am AIP gebauten Spektrographen "Pepsi" (Potsdam echelle polarimetric and spectroscopic instrument) auf dem Mt. Graham in Arizona den Merkurtransit verfolgen und die Natriumabsorption bestimmen. "Aus diesen Daten kann dann die Ausdehnung und Form der Exosphäre berechnet werden."

Einmal durch das Sonnensystem
Zentrum des Sonnensystems ist natürlich die Sonne selbst. Hier eine Aufnahme im extremen UV-Spektrum.Weitere Bilder anzeigen
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17.07.2015 18:07Zentrum des Sonnensystems ist natürlich die Sonne selbst. Hier eine Aufnahme im extremen UV-Spektrum.

Darüber hinaus ist die Methode die vielversprechendste, wenn es darum geht, zukünftig die Atmosphäre von Exoplaneten in fernen Sternsystemen zu untersuchen. Forscher hoffen, dabei bestimmte Moleküle in der Lufthülle ferner Planeten aufzuspüren, die Hinweise auf Leben sein könnten. Doch zunächst geht es darum, die Genauigkeit der Methode zu verbessern. "Wir vermessen die gesamte Sonnenscheibe", erläutert Mallonn. "Das Signal der Merkur-Exosphäre wird winzig sein und nur eine Veränderung um rund ein Hunderttausendstel bringen." Während des Transits am Montag will er herausfinden, welche Genauigkeit das Verfahren überhaupt erzielen kann und wie diese erhöht werden kann, um die Methode für die Analyse von Exoplaneten anzuwenden.

Veranstaltungen in Berlin und Potsdam

Vorausgesetzt natürlich, dass sich keine Wolken vor das Teleskop schieben. Die Chancen dafür sind in Arizona gering. Und auch in Berlin und Brandenburg ist das Wetter derzeit perfekt für eine Beobachtung. Sowohl das AIP auf dem Forschungscampus in Babelsberg als auch die Berliner Sternwarten bieten Vorträge und Beobachtungen an. Wer das Ereignis heute verpasst, muss - zumindest in Mitteleuropa - bis zum 11. November 2019 warten.

Die Archenhold-Sternwarte öffnet von 11:30 Uhr bis 20:00 Uhr. Weitere Informationen hier.

Die Wilhelm-Foerster-Sternwarte bietet Beobachtungen ab 12:45 Uhr, das Planetarium am Insulaner Vorträge ab 18 Uhr. Weitere Informationen hier.

Das AIP macht von 13 bis 15 Uhr Programm. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die TU Berlin bietet ab 13 Uhr Vorträge zum Merkurtransit in Deutsch, Englisch und Spanisch (jeweils zur vollen Stunde) im Hörsaal EW 203 (Hardenbergstraße 36, Eugene-Wigner Gebäude, Details hier). Zudem werden Beobachtungen des Teleskops direkt in den Hörsaal und ins Internet übertragen - zum Beispiel hier.

Einen weiteren Livestream von der Sternwarte Peterberg im Saarland finden Sie hier:

Pünktlich zum Merkurtransit hat die Nasa vor wenigen Tagen ein digitales Geländemodell des Himmelskörpers veröffentlicht. Es zeigt Berge, die bis zu 4,5 Kilometer über der durchschnittlichen Geländehöhe liegen (einen Meeresspiegel hat er schließlich nicht) und Täler, die bis zu 5,4 Kilometer in die Tiefe reichen. Erstellt wurde die digitale Karte aus mehr als 100.000 Aufnahmen, die die Forschungssonde "Messenger" gemacht hat. Sie hat den Planeten seit 2012 erkundet und ist am 30. April 2015 planmäßig auf ihn herabgestürzt. Hier die Animation seiner Oberflächengestalt:

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