Meteoriten-Forschung : Sanfte Landung in der Wüste Gobi

In der Mongolei entdecken Geologen die Spuren eines ungewöhnlichen Meteoriteneinschlags. Die Geschichte einer langen, entbehrungsreichen Suche mit überraschendem Ergebnis.

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Ein Geologenhammer und halbierte Kiesel liegen auf dem Erdboden.
Halbiert. Viele Kiesel erscheinen wie zerhackt. Das seien Spuren eines „weichen Einschlags“, sagen die Forscher.Foto: M. Schmieder

Am Anfang gab es eine herbe Enttäuschung. Auf der Suche nach einem Meteoritenkrater waren Martin Schmieder von der Universität von Westaustralien in Perth und Hartmut Seyfried von der Stuttgarter Universität um die halbe Welt in den Südosten der Mongolei gereist. Als sie in der schweißtreibenden Hitze der Wüste Gobi aus dem Geländewagen stiegen, brachten schon die ersten Blicke ein niederschmetterndes Ergebnis. Die typischen Hinweise auf einen Einschlagskrater fehlten völlig. Aufgeben kam für die beiden Forscher nach der langen Reise aber nicht infrage. Tagelang liefen sie aufmerksam durch die Wüste, um doch noch Spuren eines Meteoritentreffers zu finden. Mit Erfolg. Am Ende entdeckten sie einen vorher völlig unbekannten Typ eines Treffers aus dem Weltraum und konnten damit in der Zeitschrift „Journal of Asian Earth Sciences“ (Band 64, Seite 58) eine kleine Sensation mitteilen.

Vorausgegangen war ein intensives Studium von Satellitenbildern. Schmieder, Experte für Meteoritentreffer, suchte darauf nach Hinweisen auf solche Krater. Ein Hügel mit dem mongolischen Namen „Uneged Uul“ oder zu Deutsch „Berg des Fuchses“ war ihm dabei besonders ins Auge gestochen. Treffen Meteoriten auf die Erdoberfläche, schmilzt die gewaltige Energie des Aufpralls schlagartig das Gestein und es passiert oft etwas Ähnliches wie bei einem in stilles Wasser geworfenen Stein: Während vom Auftreffpunkt kreisförmige Wellen weglaufen, spritzt in der Mitte die zurückprallende Flüssigkeit als Wassersäule in die Höhe. Da die Erdoberfläche rasch wieder abkühlt und erstarrt, friert sie dieses Geschehen sozusagen ein. Der Berg des Fuchses hatte genau diese Struktur mit einem Hügel in der Mitte eines runden Kraters mit rund drei Kilometern Durchmesser. Die Forscher waren zuversichtlich, dort die Spuren eines Einschlags zu finden.

"In vier Jahrzehnten als Geologe nie zuvor gesehen"

Doch als sie davorstanden, entdeckten sie keines der typischen Indizien eines kosmischen Treffers wie zum Beispiel geschmolzenes und wieder erstarrtes Gestein. Penibel suchten sie weiter, ohne greifbare Ergebnisse. „Es waren äußerst schwierige Bedingungen, jeden Tag musste ich zum Beispiel acht Liter Wasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust in der heißen Wüste auszugleichen“, erzählt Seyfried. „Dann entdeckte ich Konglomerate, wie ich sie nie zuvor in meinen vier Jahrzehnten als Geologe gesehen hatte.“ Als Konglomerat bezeichnen Geoforscher den Kies, den ein reißender Fluss mitgeschleppt, rund gewaschen und später abgelagert hat. Brocken mit einem Durchmesser von gut einem Meter zeigen, dass dort in der Wüste Gobi vor 160 bis 145 Millionen Jahren ein gewaltiger Strom talwärts geschossen sein muss. Die meisten dieser runden Brocken waren jedoch zersplittert und sahen aus, als habe sie ein Riese mit einem Beil auseinandergehackt.

Der Himmelskörper prallte auf die Kiesschicht

Tatsächlich hatte kein Riese zugeschlagen, sondern war dort ein Meteorit auf die Erde gefallen. Zumindest blieb nur diese Erklärung übrig, nachdem die Geowissenschaftler alle denkbaren Prozesse untersucht hatten, die für solche Splitter verantwortlich sein könnten. „Weil ein großer Meteorit alles zertrümmert hätte, kann damals nur ein kleinerer Himmelskörper auf die gut 800 Meter dicke Kiesschicht geprallt sein“, sagt Seyfried.

Die vielen Löcher zwischen den runden Steinen waren seinerzeit mit Wasser gefüllt, das den immer noch gewaltigen Einschlag wie ein Stoßdämpfer pufferte. An den wenigen Stellen, an denen die Kiesbrocken direkt miteinander Kontakt hatten, übertrug der Treffer auf winzigen Flächen sehr viel Energie. Genau an diesen Kontaktpunkten wurden die einzelnen Steine gespalten, argumentieren die Forscher. Wann der ungewöhnliche Treffer die tausenden Splitterbrüche erzeugte, können sie allerdings auch nicht sagen.



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