Mit 571 Eizellen zum Ersatzteillager : Stammzell-Klon für Diabetiker

Aus Hautzellen einer Diabetikerin haben Forscher erstmals embryonale Stammzellen geklont. Sie sollen zu insulinproduzierenden Beta-Zellen werden. Ein Durchbruch für die Therapie ist das trotzdem nicht.

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Diabetes geklont. Menschlicher Embryo mit Erbgut (grün) einer Patientin.
Diabetes geklont. Menschlicher Embryo mit Erbgut (grün) einer Patientin.Foto: Egli

Aus Hautzellen einer 32-jährigen Patientin mit erblicher Zuckerkrankheit haben Forscher erstmals embryonale Stammzellen geklont. Bei dem umstrittenen „Therapeutischen Klonen“ wird das Erbgut aus einer Zelle des Patienten in eine gespendete, entkernte Eizelle übertragen. Aus dieser Klon-Eizelle züchtete das Team um den Schweizer Dieter Egli embryonale Stammzellen. Daraus sollen jene insulinproduzierenden Beta-Zellen werden, die im Zuge der Zuckerkrankheit absterben und die Ärzte ersetzen wollen.

Egli, der vorher an der Harvard University in Cambridge arbeitete, wechselte für die Experimente extra in ein privat finanziertes Labor der New Yorker Stem Cell Foundation: Denn öffentliche Forschungsförderer wie die National Instiutes of Health finanzieren in den USA keine Labors, in denen Klonexperimente stattfinden. Und anders als in Massachusetts erlaubt die New Yorker Gesetzeslage die nötigen Eizellspenden für die Klonexperimente. Die 571 Eizellen, die Egli bei diesem Experiment verwendete, stammen allerdings aus einem eigens an der öffentlich geförderten New Yorker Columbia University eingerichteten Programm zur Eizellspende – eine Prozedur, die in Deutschland nicht zuletzt wegen der hormonellen Belastung der Frauen per Embryonenschutzgesetz ebenso verboten ist wie das Klonen menschlicher Zellen.

Der Klonforscher Eckhard Wolf, der an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Rinder und Schweine zu Forschungszwecken klont, hält das Experiment allerdings nicht für einen therapeutischen Durchbruch. Das Verfahren des Kerntransfers sei nicht effizient genug, um daraus eine Therapie machen zu können, die sich für den Routineeinsatz eignet. Zwar schreibt das internationale Forscherteam um Egli in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“, dass nur neun Eizellen aus einer einzigen Eizellspende nötig waren, um eine geklonte embryonale Stammzelllinie der Patientin zu etablieren. Doch das könne täuschen, meint Wolf: „Die Qualität der Zellkernspender beeinflusst den Erfolg des Klonexperiments.“ Die Effizienz der Klonprozedur könne also von Patient zu Patient schwanken. Zum anderen ist Typ-I-Diabetes eine Autoimmunerkrankung, bei der die Beta-Zellen allmählich zerstört werden. „Wenn man nun erbgleiche Beta-Zellen transplantiert, steht man vermutlich bald wieder vor dem gleichen Problem.“ Außerdem funktionieren Beta-Zellen, die aus Stammzellen gezüchtet wurden, bislang längst nicht so gut wie das gesunde Pendant.

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