Wissen : „Mitten ins Herz“

Universität Lübeck sieht sich vor dem Aus

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Protest. Mitarbeiter des Uniklinikums bei einer Demonstration. Foto: dpa
Protest. Mitarbeiter des Uniklinikums bei einer Demonstration. Foto: dpaFoto: dpa

Die Universität Lübeck sieht sich durch das umfangreiche Sparpaket des Landes Schleswig-Holstein akut in ihrer Existenz bedroht. Der Entschluss der Landesregierung, den Studiengang Medizin in Lübeck zum Wintersemester 2011/12 einzustellen, „bedeutet für den Universität den Super-Gau“, heißt es in einer Stellungnahme von Unipräsident Peter Dominiak. Die Schließung des Studiengangs Medizin sei „gleichbedeutend mit der Schließung der Universität zu Lübeck“.

Denn diese sei aus der Medizin entstanden, alle anderen Studiengänge seien eng mit der Medizin vernetzt und ohne sie „nicht überlebensfähig“. Der Universitätsrat Schleswig-Holstein, der gemeinsame Hochschulrat der drei Unis im Land, trat aus Protest gegen das Sparkonzept geschlossen zurück. Vorhandene Leistungsstärken würden durch den Beschluss „bewusst demontiert“, die Unilandschaft „weiter dramatisch geschwächt“, begründeten die neun Mitglieder, darunter der ehemalige FU-Präsident Peter Gaehtgens, ihren Entschluss.

Wie berichtet, hatte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) bereits vor einiger Zeit einen harten Sparkurs angekündigt, der auch Bildung und Forschung nicht verschonen sollte. Mitte der vergangenen Woche beschloss sein Kabinett jetzt ein umfangreiches Sparpaket, dem die Regierungsfraktionen und Parteigremien von CDU und FDP bereits zugestimmt haben. Neben der Aufgabe des Fachs Medizin in Lübeck ist eine komplette Privatisierung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein vorgesehen, das bisher die Universitäten Kiel und Lübeck gemeinsam getragen haben. Das Land will so anstehenden Sanierungskosten in Höhe von einer Milliarde Euro auf einen privaten Betreiber übertragen. Auch die wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge der Universität Flensburg sollen geschlossen werden.

An der Universität Lübeck sind 2400 Studierende eingeschrieben, 160 Professoren lehren und forschen dort. Im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) rangieren die Mediziner in der Lehre bundesweit in der Spitzengruppe. Sie sind an mehreren hochkarätigen Forschungsprojekten beteiligt: an einer Graduiertenschule und einem Exzellenzcluster, die jeweils im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert werden, sowie an zwei Sonderforschungsbereichen.

Alle diese Projekte seien durch den Beschluss gefährdet, erklärte der Präsident. Der Akademische Senat zeigte sich in einer Resolution „entsetzt“ über den Regierungsbeschluss. Der Medizinische Fakultätentag forderte, die öffentlichen Mittel für das Medizinstudium in Lübeck zu erhalten. Bereits ohne die Kürzung – die Schließung soll 25 Millionen Euro pro Jahr sparen – zähle Schleswig-Holstein bei den Ausgaben für die Medizinerausbildung bundesweit zu den Schlusslichtern.

Die Regierung setze „leichtfertig“ einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die Stadt Lübeck aufs Spiel, erklärte Präsident Dominiak. Die Uni beschäftige gemeinsam mit dem Lübecker Campus des Klinikums etwa 5000 Menschen. Im Umfeld der Uni hätten sich 50 Medizintechnikfirmen angesiedelt, die etwa dreißig Prozent der Gewerbesteuer für die Stadt einbrächten. Die Maßnahme der Landesregierung treffe die Stadt Lübeck also „mitten ins Herz“. Tilmann Warnecke

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