Nach Brexit : Berlin bewirbt sich um EU-Arzneimittelbehörde

Am Donnerstag soll Berlins Bewerbung auf der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz der Kanzlerin vorgestellt werden. Mögliche Standorte für die EU-Behörde wären Buch, Adlershof oder Europacity.

Die Ema ist für die Überprüfung von Arzneimitteln in der Europäischen Union zuständig.
Die Ema ist für die Überprüfung von Arzneimitteln in der Europäischen Union zuständig.Foto: Friso Gentsch/dpa

Berlin will vom Brexit profitieren: Die europäische Arzneimittelbehörde, die European Medicines Agency (Ema), soll in die Hauptstadt ziehen. Die Konkurrenz ist groß – sowohl national als auch international. Um die Verantwortlichen zunächst auf nationaler Ebene von Berlin zu überzeugen, hat der Senat gemeinsam mit „Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie“ eine Broschüre erarbeitet, die am Donnerstag auf der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz in Bad Muskau vorgestellt werden soll. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird zu diesem Treffen erwartet.

Die Ema ist für die Überprüfung und Überwachung sowie die Zulassung von Arzneimitteln in der Europäischen Union zuständig. Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU soll die Behörde von London in eine andere Stadt umziehen. Wann die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder über den neuen Standort entscheiden, ist noch unklar. Bevor sich Berlin gegen europäische Konkurrenten durchsetzen kann, muss die Bundesregierung ihre Unterstützung aussprechen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) plädierte bereits für einen Standort im Rheinland, etwa in der alten Bundeshauptstadt Bonn. Gröhes Wahlkreis ist das rheinische Neuss. Auch München oder das Rhein-Main-Gebiet um Frankfurt am Main sind im Gespräch.

Keine Standort-Präferenzen

Als einer der großen Vorteile Berlins gelten die verschiedenen möglichen Standorte in der Stadt. Genannt werden in der Broschüre vor allem die Standorte Berlin-Buch, Europacity am Hauptbahnhof sowie Berlin-Adlershof. „Alle Standorte haben sehr unterschiedliche Charakteristika“, sagt Stefan Franzke, Geschäftsführer bei „Berlin Partner“. Mit der Europacity entstehe mitten im Zentrum ein ganz neues Viertel mit sehr guter Infrastruktur. Berlin-Buch hätte Spitzenforschung sowie Krankenhäuser in der näheren Umgebung. Und in Adlershof fänden sich bereits zahlreiche Technologie-Unternehmen. Deswegen gäbe es seitens Berlin Partner auch keine Präferenz für einen Standort. Dass Bonn mit dem dort ansässigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, der deutschen Zulassungsbehörde, Berlin den Rang ablaufen könnte, glaubt Franzke nicht. „Die Ema muss sowieso mit den Behörden aller EU-Länder zusammenarbeiten.“ Sollte Berlin sich national durchsetzen, wird es auf jeden Fall nicht leicht. „Wir reden hier im Moment nur vom bundesdeutschen Wettbewerb. Dabei kennen wir international 18 weitere Standorte, die sich bewerben“, sagt Franzke.

Die Ema mit ihren 900 Mitarbeitern gilt als eine der wichtigen Institutionen der europäischen Gesundheitswirtschaft. Sollte der Umzug der Behörde aus London nicht reibungslos ablaufen, drohen Verzögerungen bei der Zulassung von Medikamenten. Das könnte nicht nur Firmen und den Steuerzahler viel Geld kosten – auch Patienten kämen später an neue Medikamente heran.

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