Nach vier Jahren Dürre : Kalifornien hofft auf El Niño

Die Trockenheit macht Kalifornien zu schaffen. Das Wetterphänomen El Niño könnte etwas Entspannung bringen - aber keine Rettung. Wie sich das Land auf die Dürre einstellt.

von
Ein Experiment. Mit Millionen schwarzer Plastikkugeln soll das knappe Wasser in den Reservoirs von Los Angeles vor dem Verdunsten geschützt werden.
Ein Experiment. Mit Millionen schwarzer Plastikkugeln soll das knappe Wasser in den Reservoirs von Los Angeles vor dem Verdunsten...Foto: dpa

Seit vier Jahren leidet Kalifornien nun schon unter massiver Trockenheit. Die Pegel in den oberirdischen Stauseen sowie des Grundwassers sinken deutlich. Das hat unmittelbare Folgen für die Bevölkerung, die Wasser sparen muss. Hinzu kommen Auswirkungen wie Feuer, die derzeit noch häufiger und größer sind als sonst in Kalifornien. Auch die Wasserkraftwerke des „grünsten“ US-Bundesstaats liefern nur noch ein Drittel so viel Elektroenergie wie gewöhnlich.

Um die Krise in den Griff zu bekommen, sollen die Bewohner ihren Wasserverbrauch – etwa für Pools und Rasensprenger – um ein Viertel gegenüber dem Wert von 2013 senken, fordert der Gouverneur Jerry Brown. Experten bezweifeln, dass das zu schaffen ist, wenn man bedenkt, dass im Vorjahr gerade neun Prozent erreicht wurden. Viele Bürger versuchen, die Vorschriften zu umgehen, wie der Fall des „Magnum“-Stars Tom Selleck zeigt, der neulich beim Wasserklau erwischt wurde. Er soll mehrfach einen Tankwagen zu einem Hydranten geschickt haben, um dort kostbares Nass für seine Ranch zu holen.

Eine Entsalzungsanlage für eine Milliarde Dollar

Mit allen Mitteln versuchen die Verantwortlichen, die Wasserkrise zu entschärfen. Nahe San Diego im Süden wird derzeit für eine Milliarde Dollar eine Meerwasserentsalzungsanlage gebaut, sie soll bis zu sieben Prozent des Trinkwassers für die Drei-Millionen-Region produzieren. Entlang der Küste sind weitere solcher Anlagen geplant. Die Technologie ist bewährt und wurde bisher vor allem in den trockenen Ländern des Nahen Ostens genutzt. Doch sie hat auch Nachteile: Zum einen erfordert die Entsalzung viel Energie, die oftmals aus fossilen Quellen wie Erdöl stammt. Selbst wenn sie ausschließlich mit Ökostrom betrieben wird, bleiben doch die damit verbundenen Probleme wie Flächenverbrauch für Solaranlagen und Windparks. Hinzu kommt das extrem salzige Abwasser, das die Meeresumwelt schädigen kann.

96 Millionen schwarze Bälle

Einiges Aufsehen erregte die jüngste Aktion in Los Angeles. Mit rund zehn Zentimeter großen schwarzen Plastikkugeln soll dort das Wasser in den oberirdischen Reservoirs vor dem Verdunsten bewahrt werden. Insgesamt 96 Millionen dieser Bälle – 36 US-Cent das Stück – wurden von Lkws in mehrere Wasserbecken geschüttet, wo sie nun auf der Oberfläche schwimmen.

Die schwarze Färbung wird durch ein Kohlenstoffpigment erzielt und hat nach Angaben des Herstellers XavierC zwei Vorteile: Zum einen wird das Licht besser vom Wasser ferngehalten als bei jedem anderen Farbstoff, hätten Tests gezeigt. So werden auch Algenblüten vermieden, die die Wasserqualität bedrohen. Zum anderen schützt die Farbe auch den Kunststoff der Bälle, der durch UV-Licht schneller zersetzt wird. So sollen die Kugeln Jahrzehnte halten. Ob das ein Segen oder langfristig eher ein Fluch sein wird, bleibt abzuwarten.

Dürreperioden sind häufiger

In den kommenden Monaten könnte es zumindest etwas Entspannung geben. Mit dem Aufleben des Klimaphänomens El Niño erwarten die Meteorologen für Kalifornien mehr Niederschläge. Allerdings dürfe man nicht erwarten, dass ein Jahr mit überdurchschnittlich viel Regen und Schnee die Folgen von vier Jahren Dürre ausgleiche, warnt Mike Halpert vom Klimavorhersagezentrum der US-Wetterbehörde NOAA in College Park (Maryland). Die Regenzeit kann auch bald wieder vorbei sein. Und ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Kalifornien häufiger mit anhaltenden Dürren konfrontiert ist. Welche Rolle der Klimawandel bei der aktuellen Trockenheit spielt, wird intensiv erforscht, ebenso wie die künftig zu erwartenden Entwicklungen. Eine klare Antwort haben die Forscher bisher nicht.

Je mehr Wasser heraufgepumpt wird, umso mehr sinkt der Boden ein

Einig sind sich die Experten aber darin, dass die Wasservorräte weiter geschont werden müssen. Je mehr Grundwasser abgepumpt wird, umso mehr sackt der Boden zusammen. Mancherorts beträgt der Höhenverlust mehrere Meter in knapp hundert Jahren. Die Folge: In Kanälen fließt das Wasser teilweise rückwärts, durstige Gebiete erhalten noch weniger Nachschub. Langfristig müssen die Grundwasservorräte wieder aufgefüllt werden, etwa durch gezieltes Versickern von Regenwasser, auch aus anderen Landesteilen, fordern Forscher.

Darüber hinaus gelten jene Hinweise, die auch in allen anderen trockenen Regionen wie in Nahost, Australien oder Afrika gelten: Vor allem die Landwirtschaft, die den Großteil des Wassers verbraucht, muss sorgsamer damit umgehen, etwa mittels Tröpfchenbewässerungen. Dabei versickert ein Gutteil des kostbaren Nass und verdunstet nicht wie bei weitsprühenden Sprinklern. Und die Infrastruktur muss gepflegt werden. Im Jordantal gelangen schätzungsweise 40 Prozent des Wassers in den Leitungen nicht bis zum Hahn, weil sie vorher an Lecks verloren gehen.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben