Nanosilber : Alles keimfrei

Nanosilber wird immer häufiger verwendet, um Wunden, aber auch Kleidung und andere Gegenstände zu desinfizieren. Das Problem: Die Bakterien können dagegen resistent werden.

Paul Janositz
In diesem Unternehmen werden Strümpfe produziert, die durch eingelagerte Silberionen in den Fasern eine keimabtötende Wirkung haben sollen.
In diesem Unternehmen werden Strümpfe produziert, die durch eingelagerte Silberionen in den Fasern eine keimabtötende Wirkung...Wolfgang Thieme/dpa

Silber ist nützlich, man kann mit dem Edelmetall aber auch Schaden anrichten. Darüber waren sich rund 200 internationale Experten aus Wissenschaft, Industrie und Regulierungsbehörden einig, die jetzt zu einer zweitägigen Konferenz ins Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach Berlin kamen.
Es ging nicht etwa um Kursmanipulationen an der Börse, sondern um winzige Partikel, nur wenige Nanometer (millionstel Millimeter) groß. Dieses Nanosilber ist in mehr als 300 Produkten enthalten. So wird es Reinigungsmitteln oder Deos zugesetzt und soll T-Shirts und Socken vor Schweißgeruch schützen. Zunehmend wird es in Beschichtungen von Toilettensitzen, Kühlschränken und Zahnbürsten eingearbeitet. Auch Babys können auf Silber beißen, wenn das Spielzeug entsprechend präpariert ist.
Die winzigen Teilchen sind gefragt, weil Silber Bakterien töten kann. Das wussten schon die Römer, die Getränke in Silbergefäßen lagerten. Auch heute wird das Metall zur Wasseraufbereitung eingesetzt. Die keimtötende Wirkung des Silbers wird vor allem in der Medizin genutzt, etwa bei Wundauflagen bei der Behandlung von Verbrennungen, als Beschichtung von Kathetern, Schläuchen oder Implantaten.
Wie Nanosilber sonst auf Gesundheit und Umwelt wirkt, ist weitgehend ungeklärt. Art und Menge der Partikel kann man nur aufwendig bestimmen, geeignete Analysemethoden fehlten lange. Letzteres sei durch die Messung der Lichtstreuung oder mithilfe des Rasterelektronenmikroskops gelungen, berichtet Richard Winterhalter vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Einrichtung betreibt das Projekt Lebensmittel und Nanopartikel (Lena).
Eine offizielle Zulassung für Nanosilber-Produkte ist derzeit nur bei medizinischen Anwendungen vorgesehen, die einen therapeutischen Nutzen versprechen. Bei Textilien und anderen Konsumartikeln muss es nicht einmal deklariert werden. „Gesundheitliche Risiken lassen sich so nur schwer bewerten“, sagt Bernd Schäfer, Toxikologe am BfR. Deshalb empfiehlt das Institut, auf den Gebrauch von Nanosilber-Produkten vorerst zu verzichten. Das gelte insbesondere dann, wenn haushaltsübliche Hygiene ausreicht, um Keime zu töten.
Die antimikrobielle Wirkung geht von Silberionen aus, die in wässrigem Milieu freigesetzt werden und Mikroorganismen so sehr schädigen, dass diese sterben. Der Haken: Das betrifft auch menschliche Zellen, wenn ausreichende Mengen über die Nahrung, die Haut oder durch Einatmen in den Körper gelangen.