Neue OECD-Studie : Deutschland fehlen die Hochgebildeten

Obwohl immer mehr Menschen in Deutschland ein Studium aufnehmen, wächst der Anteil der Hochqualifizierten zu langsam. Das kritisiert die OECD in der neuen Ausgabe ihrer Studie "Bildung auf einen Blick". Aber es gibt auch Lob.

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Kinder von hochqualifizierten Eltern haben mit viel größerer Wahrscheinlichkeit ebenfalls einen hohen Abschluss.
Kinder von hochqualifizierten Eltern haben mit viel größerer Wahrscheinlichkeit ebenfalls einen hohen Abschluss.Foto: picture-alliance/dpa

In Deutschland nehmen immer mehr Menschen ein Studium auf. Dennoch wächst der Anteil von Hochgebildeten hierzulande nicht schnell genug. Das kritisiert zumindest die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der aktuellen Ausgabe ihrer Studie „Bildung auf einen Blick“, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

In Deutschland verfügten nur 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen Abschluss des tertiären Bereichs, während es im OECD-Schnitt 33 Prozent seien. Neben Israel und den USA sei Deutschland das einzige Land, bei dem im Laufe einer Generation „kein wesentlicher Zuwachs“ bei den Hochqualifizierten zu erkennen sei, heißt es in der Studie. Verglichen wurden dabei die Kohorten der 25- bis 34-Jährigen und der 55- bis 64-Jährigen. Und auch wenn inzwischen mehr als die Hälfte eines Jahrgangs in Deutschland ein Studium aufnehme, „steigen die Studienanfänger- und Abschlussquoten in anderen Ländern in rascherem Tempo“, kritisiert die OECD. (Zur gesamten Studie geht es hier, die deutschen Ergebnisse finden sich hier.)

Auch Meister und Fachschulabsolventen sind hochqualifiziert

Die Studie erscheint jährlich und vergleicht die Bildungssysteme der 34 OECD-Mitgliedsstaaten. Die Kritik, Deutschland mangele es an Hochqualifizierten, hat die OECD dabei immer wieder vorgebracht. Eine tertiäre Ausbildung hat nach OECD-Kriterien nicht nur, wer an einer Hochschule studiert, sondern auch, wer eine höhere Ausbildung erfolgreich geschafft hat (Meister, Fachschulabsolventen). Dass die Zahl der Hochqualifizierten in Deutschland nur langsam wächst, hält die OECD auch deswegen für bedenklich, weil sich die soziale Kluft zwischen gut und nicht gut ausgebildeten Menschen vertiefe. Hochqualifizierte verdienten in Deutschland im Jahr 2012 74 Prozent mehr als Erwerbstätige ohne Hochschul- oder Meisterabschluss. OECD-weit beträgt die Differenz 59 Prozent. Im Jahr 2000 hatte der Vorsprung in Deutschland noch bei 45 Prozent gelegen.

Der Bildungsaufschwung hat bildungsferne Schichten nur bedingt erreicht

Auch sei die Bildungsmobilität in Deutschland so gering wie in kaum einem anderen Land, heißt es. 58 Prozent aller 25- bis 64-Jährigen haben den gleichen Bildungsstand wie ihre Eltern, 24 Prozent sind besser ausgebildet, 18 Prozent schlechter. „Anderen Ländern gelingt es besser, das Bildungsniveau ihrer Bevölkerung über alle Gruppen hinweg zu heben“, erklärte Heino von Meyer von der Berliner OECD-Vertretung. In Deutschland habe der Bildungsaufschwung bisher nur bedingt zu einer besseren sozialen und ökonomischen Teilhabe bildungsferner Schichten beigetragen.

 Trotz der Kritik würdigt die OECD wie im vergangenen Jahr aber auch das System der dualen Ausbildung in Deutschland. Damals hatte es geheißen, wegen des hohen Stellenwerts von beruflichen Qualifikationen am Arbeitsmarkt habe es Deutschland besonders gut durch die Finanzkrise geschafft, was ein „Standortvorteil Deutschlands“ sei. Auch jetzt hebt die Studie hervor, dass Deutschland eines der wenigen Länder ist, in dem die Erwerbslosenquote zwischen 2005 und 2012 kontinuierlich gesunken ist – und zwar über alle Bildungsabschlüsse hinweg.

Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland am stärksten zurückgegangen

So sind in allen Bereichen in Deutschland weniger Menschen erwerbslos als im OECD-Schnitt. Bei den Erwachsenen ohne Abschluss des Sekundarbereichs II liegt die Quote bei 12,8 Prozent (OECD 13,6 Prozent), für Erwachsene mit Abschluss des Sekundarbereichs II bzw. eines postsekundären Bildungsgangs liegt sie bei 5,3 Prozent (OECD: 7,8 Prozent), für Tertiärabsolventen bei 2,4 Prozent (OECD: 5,0 Prozent). Unter denjenigen, die über einen tertiären Abschluss verfügen, herrscht in Deutschland damit praktisch Vollbeschäftigung.

 Deutschland gehört auch zu den Ländern, in denen die meisten Menschen einen Sekundar-II-Abschluss schaffen. Unter den Jüngeren werden das im Verlauf ihres Lebens voraussichtlich 95 Prozent erreichen, der OECD-Mittelwert liegt hier bei 84 Prozent. Immer weniger in der Altersgruppe von 15 bis 29 sind weder in Beschäftigung noch in Ausbildung (zehn Prozent, OECD: 15 Prozent). Der Anteil der Jugendarbeitslosigkeit sei in keinem Land so stark zurückgegangen wie in Deutschland, lobt die OECD.

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