Neuer Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin : Jung, aber erfahren

Bekommt die Berliner Wissenschaftspolitik einen pfälzischen Spin? Steffen Krach (35), neuer Staatssekretär für Wissenschaft, hat bei Jürgen Zöllner (SPD) gelernt, der als Senator aus Mainz kam.

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Eine Drehtür, die in die Bibliothek der Freien Universität führt.
Eingewechselt. Der neue Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach folgt auf Knut Nevermann. Krach war zuvor unter anderem...Foto: Thilo Rückeis

„Einer von uns!“, jubelten die Jusos, als in der vergangenen Woche überraschend bekannt wurde, dass Steffen Krach neuer Staatssekretär in der Berliner Wissenschaftsverwaltung wird. Tatsächlich ist Krach, der zwischen 2002 und 2005 während seines Politikstudiums an der Freien Universität Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen war, dem Juso-Alter gerade erst entwachsen: Mit 35 ist er für einen Staatssekretär ziemlich jung. Vielleicht zu jung, um die große und erfolgreiche Berliner Wissenschaftslandschaft zu managen und von ihren deutlich älteren Repräsentanten respektiert zu werden?

Steffen Krach, neuer Berliner Staatssekretär für Wissenschaft.
Steffen Krach, neuer Berliner Staatssekretär für Wissenschaft.Foto: Promo

„Er kennt sich gut bei den Hochschulen und in der Verwaltung aus“, sagt Krachs Parteigenosse Lars Oberg, der in der SPD-Fraktion für Wissenschaftspolitik zuständig ist. „Durchsetzungsfähig ist er auch.“ All das würde natürlich auch auf den ebenfalls 35-jährigen Oberg zutreffen. Aber Oberg wurde von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) nicht gefragt – und selbst wenn, hätte er schon aus familiären Gründen nicht zugesagt, erklärt er. Krach sagt: „Ich bin offen für Vorschläge und Ideen.“ Er habe am Montag schon mit mehreren Hochschulpräsidenten telefoniert. Bei ihnen war Krachs Vorgänger Knut Nevermann, der aus Altersgründen aufhört, besonders beliebt.

"Ein gutes und enges Verhältnis zu Jürgen Zöllner"

Mit Krach könnte die Berliner Wissenschaftspolitik wieder einen pfälzischen Spin bekommen. Sein politischer Ziehvater ist der ehemalige Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner, der davor lange Jahre Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz war. Zöllner nahm Krach, damals sein Referent in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund und der EU, im Jahr 2007 zu sich in die Berliner Verwaltung. Krach war zuerst Zöllners persönlicher Referent, dann zuständig für Planungs- und Parlamentsangelegenheiten und schließlich Zöllners Büroleiter – eine Position, die Krach auch unter Zöllners Nachfolgerin Scheeres innehatte, bevor er zu Thomas Oppermann in die SPD-Bundestagsfraktion wechselte.

Krach sagt: „Ich habe ein enges und gutes Verhältnis zu Jürgen Zöllner.“ Und Zöllner ist auch jetzt noch in der Wissenschaft gut vernetzt: als Vorsitzender der Stiftung Charité und als Mitglied im Vorstand der Einstein-Stiftung. Vermutlich im März dürfte Zöllner zum Vorsitzenden des FU-Kuratoriums gewählt werden. Wie es sich ergibt, ist Zöllner auch gut mit Berlins neuem Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen bekannt. Doris Ahnen – seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und wie Krach eine Entdeckung Zöllners – ist neuerdings Finanzministerin in Rheinland-Pfalz und war dort vorher lange Kultusministerin. Eine „Rheinland-Pfalz-Connection“ will Krach nicht sehen. Aber er sagt: „Es würde mich freuen, wenn wir ein gutes Verhältnis zur Finanzverwaltung haben.“

Krach muss auch ein bisschen Senator sein

Staatssekretäre fungieren als Transmissionsriemen zwischen Verwaltung und Politik. In Berlin muss ein Staatssekretär aber gerade auch ein bisschen Senator sein. Amtsinhaberin Scheeres hat ihre Interessen in dem Superressort eher bei Kitas und Jugend und wird vom Schulwesen stark in Anspruch genommen. Die strapaziöse Aufgabe, neue Hochschulverträge auszuhandeln, hat Krachs Vorgänger Knut Nevermann schon abgeräumt.

Aber das Gesetz für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG), das am heutigen Dienstag womöglich den Senat passiert, muss Krach durchs Parlament begleiten. Und er muss Mittel für den Hochschulbau aus dem Haushalt erkämpfen: „Hier muss was passieren“, sagt er. Auf Bundesebene geht es für Berlin bald darum, möglichst viel Geld aus der nächsten Exzellenzinitiative zu ergattern. Schon vorher sind weitere Bundesinitiativen mit dem neuen Grundgesetz möglich, das am Freitag den Bundesrat passieren soll. Krach unterstützt den Vorschlag der SPD im Bundestag, einen Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schließen: „Das ist ein Thema, das Berlin bestimmt gerne mit dem Bund besprechen möchte“, sagt er.

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