Norbert Lammert behält Doktortitel : Uni Bochum sieht Fehler, aber kein Plagiat

Die Ruhr-Universität Bochum hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) vom Plagiatsvorwurf freigesprochen. Es gebe aber "handwerkliche Schwächen" in seiner Doktorarbeit von 1975.

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Bundestagspräsident Lammert im Bundestag.
Freigesprochen. Die Uni Bochum eröffnet kein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades gegen Bundestagspräsident Lammert.Foto: Imago

Einen Tag nach SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wurde auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) vom Plagiatsverdacht freigesprochen. Der Vorwurf, Lammert habe in seiner Dissertation aus dem Jahr 1975 abgeschrieben, sei nicht gerechtfertigt, teilte die Ruhr-Universität Bochum am Mittwochnachmittag mit. Die Universität werde kein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades eröffnen. In Lammerts Doktorarbeit mit dem Titel „Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung – Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet“ fänden sich zwar „vermeidbare Schwächen in den Zitationen“, heißt es. Den Verdacht des Plagiats oder der Täuschung würde dies aber „keineswegs rechtfertigen“.

Die Vorwürfe hatte der anonyme Plagiatsjäger „Robert Schmidt“ im Juli dieses Jahres erhoben. Er kritisierte Passagen auf 42 Seiten der 224-seitigen Arbeit, beanstandete insbesondere die „Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur“. „Robert Schmidt“ hatte zuvor bereits der ehemaligen Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) Plagiate vorgeworfen. Die Universität Düsseldorf sah den Verdacht bestätigt, erkannte im Februar ihren Doktortitel ab, Schavan klagt dagegen.

Gutachter Kocka lobt "wissenschaftliche Gesamtleistung"

Die Vorwürfe gegen Lammert seien durch den Ombudsmann der Universität, Ulf Eysel, ausführlich analysiert worden, hieß es gestern in Bochum. Zusätzlich seien die „sich aus den beanstandeten Passagen ergebenden Sachverhalte“ juristisch geprüft worden. Darüber hinaus wurde der Berliner Sozialhistoriker Jürgen Kocka als „externer Sachverständiger“ herangezogen. Kocka betone in seinem Gutachten „die begrenzte Bedeutung der beanstandeten Passagen in Bezug auf die wissenschaftliche Gesamtleistung der Dissertation“. Auch der Ombudsmann habe die „nachweislichen Fehler“ als „handwerkliche Schwächen“ eingestuft.
Lammert reagierte erleichtert: „Ich freue mich über die Beendigung des Verfahrens“, sagte er dem Tagesspiegel. Lammert dankte Eysel und Kocka „für die sorgfältige Prüfung der Plagiatsvorwürfe“.

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