Novartis ruft Impfstoffe zurück : Wie riskant ist die Grippeimpfung?

25.10.2012 22:44 Uhrvon
Trotz des Rückrufs sinnvoll: die Grippeschutzimpfung. Foto: dapd
Trotz des Rückrufs sinnvoll: die Grippeschutzimpfung. - Foto: dapd

Mehrere Grippeimpfstoffe wurden vom Markt genommen, weil sie schwere Nebenwirkungen verursachen können. Ist die Impfung weiterhin sinnvoll? Und wie sicher sind die Impfstoffe?

Die Nachricht platzt mitten in die Grippeimpfsaison. Ampullen des Schweizer Herstellers Novartis könnten verunreinigt sein. Um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, haben Italien, Schweiz und Österreich daraufhin die Auslieferung von Novartis-Impfstoffen gegen Grippe gestoppt. In Deutschland hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) das Mittel zumindest teilweise aus dem Verkehr gezogen, es widerrief die Freigabe von bestimmten Begripal- und Fluad-Chargen.

Was wurde in Italien beobachtet?

In Italien sind in einigen Spritzen weiße Partikel aufgetaucht. Ob es sich dabei um eine Verunreinigung handelt, ist unklar.

Möglicherweise sind normale Bestandteile des Impfstoffes verklumpt, hieß es in einer Mitteilung des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic. Der Hersteller Novartis betonte, die Firma habe das italienische Gesundheitsministerium freiwillig auf die Partikel aufmerksam gemacht. Sie könnten während der Herstellung entstehen und hätten aller Wahrscheinlichkeit nach keine Auswirkungen auf Sicherheit und Effizienz.

Das italienische Gesundheitsministerium hat am Mittwoch vorsorglich die Auslieferung und Verwendung der Grippeimpfstoffe Agrippal (in Deutschland heißt der Stoff Begripal), Fluad und Influpozzi untersagt. Die Schweiz schloss sich mit Agrippal und Fluad an, in Österreich wurde die Auslieferung der Vakzine Fluad, Sandovac und Optaflu ausgesetzt.

Wie ist die Situation in Deutschland?

In diesem Jahr sind in Deutschland 16 verschiedene Grippeimpfstoffe zugelassen, nur drei davon stellt Novartis her. Allerdings haben drei Bundesländer – Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern – nach einer Ausschreibung einen Exklusivvertrag mit Novartis geschlossen. Dort sollten die Ärzte ihre Patienten mit dem Impfstoff Begripal impfen. Schon in den vergangenen Wochen hatte der Hersteller Probleme, wenn auch anderer Art. Anfang Oktober gab Novartis Lieferschwierigkeiten zu. Die Hausärzte in den betroffenen Bundesländern beklagten sich, dass sie nicht einmal die Risikogruppen rechtzeitig impfen können.

Obwohl in Deutschland bisher niemand Ausflockungen beobachtet hat, hat das Paul-Ehrlich-Institut vorsorglich die Freigabe von vier Chargen des Grippe-Impfstoffs Begripal mit den Chargennummern 126201, 126102A, 126101, 126202A, und einer Charge des Impfstoffs Fluad mit der Chargennummer 128902 zurückgenommen. Sie werden von Novartis zurückgerufen. Das ebenfalls von Novartis produzierte Optaflu kann weiterhin verwendet werden.

Laut Paul-Ehrlich-Institut könnte eine Impfung mit den betroffenen Chargen allergische Reaktionen auslösen. „Wir haben in dieser Saison noch keine Nebenwirkungsmeldungen über schwere Unverträglichkeitsreaktionen erhalten. Es ist im Sinne der Risikovorsorge jedoch geboten, die Freigabe für bestimmte Impfstoffchargen zurückzunehmen, da schwere Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können“, sagte PEI-Präsident Klaus Cichutek.

Was ist mit bereits geimpften Patienten?

Anhand der Aufkleber im Impfausweis kann jeder nachprüfen, ob man mit einer Novartis-Vakzine geimpft wurde. Nach Angaben des PEI wurden bisher nur Reaktionen beschrieben, die innerhalb weniger Stunden auftraten. Wer vermutet, dass er Nebenwirkungen hatte, kann das dem PEI online unter https://verbraucher-uaw.pei.de melden.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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