• Pegida schadet Sachsens Universitäten: „Ausländische Forscher sehr verunsichert“

Pegida schadet Sachsens Universitäten : „Ausländische Forscher sehr verunsichert“

Seit Wochen zeigen die Pegida-Demonstranten ausländerfeindliche Sprüche. Studenten und Wissenschaftler aus dem Ausland macht das Angst, warnt Sachsens Wissenschaftsministerin.

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Ein Professor steht im Hörsaal vor Studierenden.
Sachsens Wissenschaftsministerin befürchtet, dass ausländische Studenten Dresdner Hörsäle aufgrund der Pegida-Parolen meiden...Foto: dpa

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sieht durch die Pegida-Bewegung die Internationalität an den Hochschulen des Landes gefährdet. Aus Gesprächen mit Vertretern der Forschungseinrichtungen in Dresden habe sie erfahren, dass einige ausländische Forscherinnen und Forscher als Reaktion auf Pegida nicht mehr in Sachsen bleiben wollen, sagte Stange dem Tagesspiegel: „Es gibt eine ungeheure Verunsicherung unter internationalen Wissenschaftlern und Studierenden.“

Imageschaden für Dresdner Universitäten

Vor allem das Bild, das durch die „ausländerfeindlichen und rassistischen Sprüche auf den Kundgebungen“ von Sachsen gezeichnet werde, führe zu einem „enormen Imageschaden für die Hochschulen und Forschungseinrichtungen“, sagte Stange: „Man wird ganz viel machen müssen, um das in den nächsten Monaten wieder zu heilen und ein anderes Bild entgegenzusetzen.“

Allein an der Technischen Universität Dresden (TUD), der größten Uni Sachsens und einzigen „Exzellenzuniversität“ in Ostdeutschland, sind 4600 ausländische Studierende eingeschrieben. Mehrere hundert Wissenschaftler aus dem Ausland arbeiten an der TUD. Uni-Sprecherin Kim-Astrid Magister bestätigte auf Anfrage, viele dieser Forscher und Studierenden fühlten sich derzeit nicht wohl in Dresden: „Es herrscht eine angespannte Stimmung.“ Es könne aber keine Rede davon sein, dass Forscher „massenhaft“ Dresden verlassen.

Studenten verlassen Dresden

Magister ist der Fall einer ausländischen Doktorandin bekannt, die auch aufgrund der Pegida-Märsche aus Dresden weggegangen ist. Dabei sei Pegida eines von mehreren Motiven für den Weggang gewesen. Magister sagte, Pegida „konterkariere“ aber sehr wohl die jahrelangen Bemühungen der Universität um mehr Internationalität - die auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Region von Bedeutung ist: „Das steht jetzt auf dem Spiel.“

Der Senat der TUD hatte vor zwei Wochen in geheimer Abstimmung einstimmig beschlossen, das Rektorat zu unterstützen, sich „aktiv und medienwirksam“ für eine weltoffene Gesellschaft einzusetzen. Rektor Hans Müller-Steinhagen erklärte zu dem Anlass, die TU Dresden lebe „vom Miteinander ausländischer und deutscher Studierender und Wissenschaftler“. Die medizinische Fakultät hisste ein Banner auf dem Campus, auf dem Menschen aus allen Ländern in mehr als zwanzig Sprachen willkommen geheißen werden. Auf ihrer Webseite erklären die Mediziner, sie befürchteten den „Todesstoß für den Wissenschaftsstandort Sachsen“, sollten „Menschen mit ausländischen Wurzeln infolge einer negativen Grundstimmung nicht mehr den Weg nach Sachsen einschlagen“.

Defizite im Demokratie-Verständnis

Für Ministerin Stange, die auch für das Amt der Dresdner Oberbürgermeisterin kandidiert, hat das Erstarken von Pegida auch mit Defiziten im Demokratie-Verständnis ihrer Landsleute zu tun. In vielen Gesprächen in ihrem Wahlkreis habe sie festgestellt, dass „einige das Wahlsystem noch immer nicht verstanden haben“. Oft würde auch nicht akzeptiert, dass demokratisch getroffene Entscheidungen für alle gelten.

Anders als die sächsische Kultusministern Brunhild Kurth (CDU) sieht Stange in der Frage der Demokratieerziehung durchaus Versäumnisse bei den Schulen: „Da können wir mehr machen.“ Stange sagte, ihr gehe es nicht so sehr um noch mehr theoretische politische Bildung. Demokratie müsse in Schulen vielmehr richtig gelebt werden. Meistens würden Mitwirkungsrechte nur für wenige Schülervertreter gelten. Der große Rest der Schülerschaft sei nicht einbezogen: „Da geht das Problem schon los. Wenn ich Demokratie nur theoretisch vermittelt bekomme, kann ich sie nicht so einfach anwenden.“ Das sei nicht nur ein sächsisches Problem. In ganz Deutschland müsse darüber nachgedacht werden, wie jungen Menschen durch mehr Teilhabe das demokratische System besser vermittelt werde.

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