Plagiatsverdacht : Wo Schavan angeblich geschummelt hat

Und wieder Ärger um eine Doktorarbeit: Bildungsministerin Schavan sieht sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Was genau wird an der Dissertation der CDU-Politikerin beanstandet?

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Hat sie bei ihrer Dissertation geschummelt? Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)
Hat sie bei ihrer Dissertation geschummelt? Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)Foto: dapd

Auf 56 von 325 Seiten in Annette Schavans Doktorarbeit finden sich mutmaßliche Plagiate – so lautet der Vorwurf, den die Webseite „Schavanplag“. Der anonyme Plagiatsjäger stuft sechs Fundstellen als „schwerwiegende“ Plagiate ein. Die anderen Stellen bezeichnet er als „nicht ganz so gravierend“ und als „nur unsauber oder zu geringfügig“ ein.

Bei zwei der „herausragenden“ Stellen beschäftigt sich Schavan mit Sigmund Freud. Die Autorin suggeriere dort, sie habe Schriften von Freud rezipiert, heißt es. Es geht dabei um die Inhaltsangabe und anschließende kurze Deutung zweier Passagen, aus Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“ sowie aus „Totem und Tabu“. Tatsächlich habe Schavan aber Ausführungen von zwei anderen Wissenschaftlern über die entsprechenden Freud-Passagen paraphrasiert, ohne das entsprechend in ihrer Arbeit zu kennzeichnen. So finden sich laut „Schavanplag“ an den Stellen zwar Verweise auf Freuds Gesamtwerk, aber keine auf die Anlehnung an die verwendeten Passagen der Wissenschaftler.

Bildergalerie: Die Guttenberg-Affäre

Die Plagiatsaffäre - Guttenberg bis zum Schluss
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1 von 54Foto: Reuters
06.05.2011 14:321. März 2011: Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem Abgang aus dem Amt des Bundesverteidigungsministers. Die Universität Bayreuth...

Die Passagen stammen aus Einführungen zu Freud und der Psychoanalyse: Einmal aus Ernst Stadters „Psychoanalyse und Gewissen“, ein Urban-Taschenbuch, die andere Passage findet sich im „Handbuch der Neurosenlehre“ von Heinz Häfner. Besonders im Falle Stadters sei das Plagiat Schavans frappant, weil Stadter seinen Text völlig frei vom Duktus Freuds formuliert habe, heißt es bei „Schavanplag“.

Auch eine andere Stelle übernahm Schavan offensichtlich aus einem Überblickswerk. Dabei handelt es sich laut „Schavanplag“ um eine analytische Passage über die kognitive Theorie des amerikanischen Philosophen George Herbert Mead, die „fast vollständig“ aus einer Einführung in die Sozialisierungsforschung des österreichischen Pädagogikprofessors Helmut Fend stammt und die Schavan ebenfalls nur geringfügig umformulierte. Die Ministerin machte aber nur die Wortgruppe „kognitives System von Regeln und Normen über erwünschte Verhaltensweisen in einer Gruppe“ als Zitat von Fend kenntlich, anstatt sich im ganzen Absatz auf Fend zu beziehen.

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