Politiker und ihre Doktorarbeiten : Plagiatsskandale in Asien

In Südkorea und Indien sollen mehrere Politiker bei wissenschaftlichen Arbeiten gefälscht haben. So wird einem koreanischen Politiker vorgeworfen, aus einer Seminararbeit abgeschrieben zu haben, die er für umgerechnet 70 Cent aus dem Internet herunterlud.

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Strenge Prüfung. In Korea werden Täuschungen hart geahndet.
Strenge Prüfung. In Korea werden Täuschungen hart geahndet.Foto: dapd

Nicht nur in Deutschland, weltweit erregen Plagiatsvorwürfe gegen Politiker Aufsehen. Über aktuelle Fälle in Südkorea und Indien berichtet jetzt das Magazin „University World News“. In Südkorea hat ein Abgeordneter der gerade neu gewählten Nationalversammlung bereits zugegeben, seine Doktorarbeit gefälscht zu haben. Bei bis zu sechs weiteren Abgeordneten steht ein Plagiatsverdacht im Raum. In Indien gab ein hochrangiger Wissenschaftsberater des Ministerpräsidenten in einem Fachmagazin Ergebnisse anderer Forscher als seine eigenen aus.

Die Vorfälle in Südkorea haben sogar entscheidenden Einfluss auf die Machtverhältnisse in der Nationalversammlung. Denn Moon Dae-Sung, Abgeordneter der bisher regierenden Konservativen, musste aus seiner Partei austreten, nachdem er Plagiate in seiner Doktorarbeit zugegeben hatte. Seinen Parlamentssitz hat er jedoch behalten, was dazu führt, dass die Konservativen ihre hauchdünne Mehrheit an Sitzen verloren. Moon ist in Korea sehr bekannt: Bevor er eine Forschungskarriere als Sportwissenschaftler einschlug und es bis zum Assistenzprofessor an der Uni Pusan brachte, gewann er eine olympische Goldmedaille in der koreanischen Kampfsportart Taekwando.

Ende April kam heraus, dass Moon das Thema, die Thesen und viele Passagen seiner Doktorarbeit von einem College-Studenten kopiert hatte. „Große Teile sind ein Plagiat“, urteilte eine Ethikkommission der Uni, an der er promoviert hatte. Inzwischen prüft die Uni Vorwürfe, Moon habe auch in seiner Masterarbeit plagiiert. Seine Assistenzprofessur gab Moon schon auf. Politiker fordern, er solle auch seinen Parlamentssitz zurückgeben.

Plagiatsvorwürfe werden unterdessen gegen weitere Abgeordnete erhoben. Die „Korea Times“ berichtete am Dienstag, bei einer Prüfung durch das „Korea Progressive Academy Council“ seien bei Dissertationen von bis zu sechs weiteren Abgeordneten Plagiate festgestellt worden. So soll ein konservativer Abgeordneter in seiner Dissertation aus einer Seminararbeit abgeschrieben haben, die er für 1000 Won (das sind etwa 70 Cent) aus dem Internet herunterlud. Bereits 2006 musste in Südkorea der Bildungsminister nach Täuschungsvorwürfen zurücktreten.

In Indien wiederum erregte der Fall des Chemikers C.N.R. Rao Aufsehen. Rao, der unter anderem in Cambridge, Oxford und an der University of California forschte, ist Chef des wissenschaftlichen Beratungsgremiums von Ministerpräsident Singh. In einem Artikel für ein Fachmagazin, bei dem Rao mit Kollegen als Autor firmierte, wurden Ergebnisse von anderen Forschern als die der Autorengruppe um Rao ausgegeben. Rao erklärte, ein Student habe Teile des Artikels geschrieben und dabei das Plagiat produziert. Rao und seine Kollegen hätten das nicht bemerkt. Tilmann Warnecke

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