Position : Die gestiegenen Abbrecherquoten an Fachhochschulen senken

Die Fachhochschulen leiden an einem Mangel an Professorinnen und Professoren. Ein Programm würde helfen. Ein Gastbeitrag der SPD-Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder.

Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete.
Daniela De Ridder, SPD-Bundestagsabgeordnete.Foto: promo


Was ist los an den Fachhochschulen? Wie die aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt, ist die Zahl der Studienabbrecher in den Bachelorstudiengängen auf rund 27 Prozent gestiegen. Vor zehn Jahren lag diese Quote noch bei 19 Prozent. Haben sich die FH-Studierenden bei ihrer Studienwahl einfach nur häufiger falsch entschieden? Ein genauer Blick auf die Hochschulen ergibt ganz andere Gründe.
Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften gelten als Musterschülerinnen für eine gelungene Umsetzung der Bologna-Reform. Sie konnten das Bachelor- und Mastersystem schnell und erfolgreich einführen. Zu ihren Erfolgsrezepten gehörten seit jeher das gute Betreuungsverhältnis und der enge Praxisbezug durch die angewandte Forschung. Wie also kommt es plötzlich zu den deutlich erhöhten Abbrecherquoten?
Wer den Rektoren und Präsidentinnen der Fachhochschulen aufmerksam zuhört, weiß, dass sie seit vielen Jahren auf das Problem des fehlenden professoralen Nachwuchses aufmerksam machen. Dabei liegen die Ursachen auf der Hand: Es gelten anspruchsvolle Qualifikationsvoraussetzungen, neben einer Promotion und didaktischen Kompetenzen muss auch eine dreijährige Berufspraxis nachweisen werden. Während der Promotion – die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler fast überall in Deutschland an einer Universität absolvieren müssen – erfahren sie, dass eine Universitätsprofessur wesentlich besser bezahlt wird und ihnen ein deutlich geringeres Lehrdeputat abverlangt wird. Weiter lockt auch die berufliche Praxis jenseits der Universität die heiß begehrten Promovierten und offeriert attraktive Arbeitsbedingungen.

Mit 500 Millionen Euro 2000 Stellen schaffen

Den bereits lange ausbleibenden Ansturm auf die FH-Professsuren haben die Hochschulen bis dato schon häufig über Lehrbeauftragte kompensiert, schon um ihr Lehrangebot aufrecht erhalten zu können. Bei genauer Analyse des Datenmaterials zeigt sich ein unhaltbarer Zustand: Von 2006 bis 2016 stieg die Zahl der FH-Studierenden von rund 540.000 auf rund 960.000. Die Zahl der Professorinnen und Professoren hingegen stieg von rund 14.000 auf 19.000, womit sich die Betreuungsrelation in diesem Zeitraum von 39 Studierenden pro Professur auf 49 verschlechterte. Die Zahl der Lehrbeauftragten stieg in diesem Zeitraum von rund 21.000 auf rund 52.000. Dass dies zu einer hohen Arbeitsbelastung und folglich auch zu Studienabbrüchen führen würde, darf heute niemanden überraschen. Diesen Befund untermauerte auch die Veröffentlichung des Wissenschaftsrates aus dem letzten Herbst.
Wie der professorale Nachwuchs an den Fachhochschulen durch das Programm „Perspektivprofessuren“ gestärkt werden könnte, hatte zuvor bereits die SPD in einem Positionspapier vorgeschlagen: Mit einem Volumen von 500 Millionen Euro sollen 2000 W1-Stellen als Vorgriffsprofessuren eingerichtet werden, die mit 75 Prozent Beteiligung vom Bund finanziert werden sollen. Insbesondere mit kleinen und mittleren Unternehmen könnte damit ein abgestimmter Karrierepfad zur praxisorientierten FH-Professur geschaffen werden, der Planungssicherheit und präzise Karrierepfade in die FH-Professur bietet. Die Unionsfraktion wollte für die Formulierung von Maßnahmen zunächst die Ergebnisse des Wissenschaftsrates im Oktober 2016 abwarten. Seitdem warten die Fachhochschulen allerdings vergeblich auf eine unterstützende Initiative der Union und der Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Der Ausbau der FHs muss endlich konsequent gefördert werden

Studienabbrüche mögen verschiedene, individuelle Ursachen haben. Wer aber die strukturellen Barrieren nicht einmal annähernd zu bewältigen versucht, handelt volkswirtschaftlich fahrlässig. Und wer es in unserem rohstoffarmen Land mit der Bildungsrepublik ernst meint, kann nicht ernsthaft wollen, dass junge Menschen durch den Abbruch des Studiums um ihren angestrebten Lebensweg gebracht werden.
Der Ausbau der Fachhochschulen muss endlich auch von Seiten des Bundes konsequent gefördert werden – mit einer Milliarde Euro zusätzlich für die Fachhochschulen für fünf Jahre, von denen mindestens 500 Millionen in das Programm „Perspektivprofessuren“ investiert werden müssen. Das wäre zumindest ein guter Anfang, wenn zugleich die Fachhochschulen in der Nachfolge zum Hochschulpakt 2020 und zum Qualitätspakt Lehre nicht schlechter gestellt werden, sondern das bisherige Finanzierungsniveau als Untergrenze gehalten werden kann.

Daniela De Ridder ist Abgeordnete der SPD-Bundestagsfraktion und zuständige Berichterstatterin für Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

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