Primaten : Schimpanse schlägt Studenten bei Computerspiel

Junger Schimpanse kann Ziffern, die auf dem Bildschirm erscheinen, besser erinnern als Menschen.

Ewen Callaway

Ein besonders cleverer sieben Jahre alter Schimpanse mit dem Namen Ayumu hat Studenten bei einem Spiel geschlagen, bei dem das Kurzzeitgedächtnis gefordert wurde. Er und zwei weitere junge Schimpansen konnten die Anordnung bestimmter Ziffern, die auf dem Computerbildschirm aufleuchteten, schneller und exakter abrufen als Menschen.

"Es ist eine simple Tatsache: Schimpansen sind besser als wir - bei dieser Aufgabe", sagt Tetsuro Matsuzama, Primatenforscher an der Universität von Kyoto, Japan, der die Studie leitete.

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Schimpansen "intelligenter" sind als Menschen, sie scheinen jedoch besser darin zu sein, sich Momentaufnahmen in ihrer Umgebung einzuprägen - seien es Zahlen auf einem Bildschirm oder reife Feigen, die von einem Baum hängen. Menschen haben diese Fähigkeit möglicherweise verloren, als sie an Intelligenz hinzugewannen, um Sprache und komplexe Symbole zu verstehen, meint Matsuzama.

Schnell wie ein Blitz

Zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit Matsuzamas Team das erste Mal einem weiblichen Schimpansen mit dem Namen Ai beibrachte, arabische Ziffern zu erkennen und anzuordnen (1). Später trainierten er und Nobuyuki Kawai sie darauf, sich die Anordnung bestimmter Zahlen auf einem Bildschirm einzuprägen. Die Zahlen wurden schnell mit weißen Quadraten abgedeckt und Ai berührte die Quadrate nach der Reihenfolge der darunter verborgenen Zahlen (2). Mit einigem Training können Schimpansen bemerkenswert gut darin werden.

Matsuzama und Sana Inoue machten weiter, indem sie drei Schimpansenpaare, jeweils eine Mutter mit ihrem Kind, darauf trainierten, Ziffern zu erkennen und zu erinnern, so wie Ai es getan hatte. In den meisten Fällen schlugen die Kids ihre Mütter und Ais Sohn Ayumu war Klassenbester, wie in Current Biology berichtet wird (3).

Als Ayumu in diesem Spiel gegen Universitätsstudenten antrat, ließ er sie wie Dummköpfe aussehen. Dies war besonders deutlich, wenn die Zahlen nur für zwei Zehntelsekunden auf dem Bildschirm erschienen - zu kurz für Menschen, um sie zu erfassen. Hier ordnete Ayumu die Zahlen in 80 Prozent der Fälle richtig, während die Studenten im Durchschnitt 40 Prozent erreichten.

Unklar ist, wie lange Ayumu die Anordnung der Zahlen erinnern kann, nachdem sie auf dem Bildschirm aufleuchteten. Wenn ein Geräusch im Raum seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, unterbrach er sich mitten im Spiel für zehn Sekunden, bevor er die Aufgabe zu Ende brachte. Matsuzama plant zu testen, wie lange Schimpansen die Zahlen erinnern können.

Geistiges Tauschgeschäft

Könnte die Überlegenheit des Schimpansen daraus resultieren, dass er einfach mehr Übung hat? Ayumu hat das Spiel während seines ganzen siebenjährigen Lebens gespielt und nach jedem Durchgang eine Belohnung bekommen. Die Forscher denken jedoch, dass dies nicht Ayumus einziger Vorteil war. "Die Studenten übten sechs Monate lang und erreichten diese Exaktheit nicht", sagt Matsuzama.

Er nimmt an, dass Menschen so etwas wie ein geistiges Tauschgeschäft eingingen, als sie sich von den mit den Schimpansen gemeinsamen Vorfahren vor 5 bis 6 Millionen Jahren wegentwickelten. Indem sie ein Gehirn entwickelten, das Sprache und andere komplexe Symbole umsetzen kann, könnte ihre Fähigkeit, mentale Momentaufnahmen zu verarbeiten, abgestumpft sein.

Zu entdecken, dass Schimpansen manchen Aufgaben besser gewachsen sind als Menschen, ist nicht überraschend, sagt Michael Beran, Psychologe an der Georgia State University in Atlanta. Schimpansen und Menschen sind sich in mancher Hinsicht sehr ähnlich, bemerkt er. Der Schlüssel dazu, den einem Schimpansen innewohnenden Einstein hervorzuholen, liegt darin, die richtigen Tests durchzuführen, erklärt er.

Es gibt jedoch Grenzen. "Ich arbeite mit einigen wirklich cleveren Schimpansen, aber sie werden deine Mathe-Hausaufgaben nicht erledigen", sagt er.

(1) Matsuzawa, T. Nature 315, 57-59 (1985)
(2) Kawai, N. & Matsuzawa, T. Nature 403, 39-40 (2000)
(3) Inoue, S. & Matsuzawa, T. Curr. Biol.

Dieser Artikel wurde erstmals am 03.12.2007 bei news@nature.com veröffentlicht. doi: 10.1038/news.2007.317. Übersetzung: Sonja Hinte. © 2007, Macmillan Publishers Ltd

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben