Protest für Andrej Holm an der HU : "Mit besetzerischen Grüßen"

Das Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Uni soll besetzt bleiben. Lehrveranstaltungen sollen möglichst trotzdem stattfinden.

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Pro Andrej Holm. Studierende beim Protest während des Salons Sophie Charlotte mit Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität.
Pro Andrej Holm. Studierende beim Protest während des Salons Sophie Charlotte mit Sabine Kunst, Präsidentin der...Foto: Uni von unten/Die protestierenden Studierenden der HU

Die protestierenden Studierenden des Instituts für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität wollen ihre Besetzung des Instituts „weiterhin auf unbestimmte Dauer/bis zur Umsetzung unserer Forderungen auf den verschiedenen Ebenen aufrechterhalten“. Das bekräftigten die Aktivistinnen und Aktivisten am Sonntagnachmittag in einer Mitteilung „mit besetzerischen Grüßen“.

Studierende hatten das Institut am Mittwochnachmittag besetzt, nachdem Sabine Kunst, die Präsidentin der Humboldt-Universität, erklärt hatte, den Sozialwissenschaftler und zurückgetretenen Staatssekretär Andrej Holm wegen seines Umgangs mit seiner Stasi-Vergangenheit entlassen zu wollen. Die Studierenden fordern, dass Kunst ihre Entscheidung zurücknimmt.

Es ist nicht so leicht, neue Räume zu finden, sagt Dekanin von Blumenthal

Darüber, wie stark die Besetzung den Seminarbetrieb bisher beeinträchtigt hat, gibt es unterschiedliche Darstellungen: „Vieles fällt aus“, sagt ein Sprecher vom Presseteam der Besetzer. Julia von Blumenthal, die Dekanin der Sozialwissenschaftlichen Fakultät, sagt hingegen, nur am Donnerstag, seien viele Seminare ausgefallen, sagt: "Da konnten wir nicht mehr viel machen." Inzwischen fänden die meisten Veranstaltungen an anderen Orten statt. Es solle vermieden werden, dass Studierenden nötige Leistungsnachweise verloren gehen. Allerdings sei es nicht so leicht, neue Räume zu finden. Die Besetzer wollen die Lehre aber auch keineswegs „komplett blockieren“, wie der Sprecher vom Presseteam der Besetzer sagt. „Die Studierenden haben ja alle ihre Leistungen zu erbringen.“

Am Montag soll es eine Debatte über den Tagesspiegel und die Causa Holm geben

Die Studierenden nutzen die Besetzung für Workshops und Debatten (zum Programmplan "Uni von unten" hier). So wird es am Montag etwa um „Protest und Polizei“ gehen, ein Projekttutorium befasst sich mit der Kritischen Theorie „von und im Anschluss an Karl Marx“. Außerdem diskutiert am Montag um 16 Uhr Tagesspiegel-Berlinchef Robert Ide mit dem Sozialwissenschaftler Ulf Kadritzke über den „Tagespiegel und die Causa Holm“ (Universitätsstraße 3b). Auch wissenschaftliche Mitarbeiter bieten Seminare mit Themenbezug an. Aus dieser Gruppe gebe es durchaus Zustimmung zu den Zielen der Besetzung, sagt der Sprecher der Besetzer, auch Professoren hätten sich entsprechend geäußert. Dekanin von Blumenthal sagt, unter den Professorinnen und Professoren am Institut gebe es "grundsätzlich Toleranz" für die Besetzung. Allerdings auch "Verständnis bis hin zur Unterstützung" für die Entscheidung von HU-Präsidentin Sabine Kunst, Holm zu entlassen.

 Die Besetzer erklärten am Sonntag, zu den Vollversammlungen kämen immer 80 bis 100 Besetzer*innen. Aber tausende von Menschen hätten dem Institut einen Besuch abgestattet und ihre Solidarität durch „Statements, aber auch ganz praktisch durch Essens-Spenden oder Kunst- und Protestaktionen“ ausgedrückt. Die Besetzung sei über die Forderungen hinaus „auch ein konstruktives Beispiel für Selbstorganisation", sie biete "Möglichkeiten zur Vernetzung von Initiativen und für eine Politisierung des universitären Raums“. Wie berichtet hatten Studierende auch am Sonnabendabend beim Salon Sophie Charlotte der Berlin-Brandenburgischen Akademie lautstark protestiert.

 

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