Psychologe Gigerenzer zur Zucker-Debatte : Verbot für Zuckerwerbung? Bildung ist besser!

Wir sollten Kinder stark und risikokompetent machen, Verbote sind der schlechtere Weg. Meint Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Gerd Gigerenzer
Probieren und studieren: Zwei Kinder testen gefärbten Jogurt beim Projekt "ScienceKids".
Probieren und studieren. Beim Projekt "ScienceKids" experimentieren Kinder selbst - hier probieren sie Joghurt.Foto: ScienceKids

Wir denken zu rasch in Verboten. Das gilt auch für das Thema Gesunde Ernährung im Kindesalter. Das Problem mit Verboten ist, dass man sie immer unterlaufen kann. Man denke an die Prohibition in den USA in  den 1920er und 30er Jahren. Schließlich hat sich die amerikanische Regierung dazu entschlossen, das Alkoholverbot aufzuheben.  Hinzu kommt, dass Verbote neugierig machen. Eine Sache wird durch ein Verbot erst richtig interessant.

Ich finde es besser, in Menschen zu investieren statt sie zu behindern. Deshalb setze ich auf Bildung. Wenn wir Kinder stark und risikokompetent machen, brauchen wir weniger Verbote. Ernährungsgewohnheiten werden früh geprägt, man sollte also spätestens in der ersten Klasse anfangen, besser noch im Kindergarten. Zur Bildung gehört dabei für mich nicht nur Faktenwissen über Ernährung und den menschlichen Körper, sondern auch Herzensbildung. Das heißt, dass man lernt, sein eigenes Handeln zu bedenken und bemerkt, wenn man beeinflusst wird. Und das Vermitteln von Fähigkeiten sollte hinzukommen, etwa Spaß am Kochen.

Kinder sind motiviert!

Wie man es machen kann, zeigt das Projekt „ScienceKids“. Es ist ein umfassendes Programm zur Gesundheitsbildung, leider bisher nur in Baden-Württemberg. Kindern wird da spielerisch und in Experimenten das Thema Gesundheit nahegebracht. Viele sind ohnehin motiviert!

Als zweite Maßnahme würde ich eine ehrliche und verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln in Betracht ziehen. Sehr gut wäre eine Ernährungsampel, mit der man sich gleich orientieren kann, ob ein Produkt viel oder wenig Zucker, Salz und Fett enthält. Bedauerlicherweise hat sich die Politik bisher nicht dazu durchringen können, die Ampel einzuführen.

Verbote schränken die Freiheit ein, deshalb bin ich da grundsätzlich skeptisch. Aber wenn es darum geht, Kinder vor Werbung zu schützen, halte ich auch ein Verbot für sinnvoll. Allerdings steht es für mich nicht an erster Stelle.

 

 

 

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