Regenerative Medizin : Speiseröhre aus dem Labor

Blutgefäße können Forscher züchten und Luftröhren, sogar Knorpel, um einen Nasenflügel zu rekonstruieren. An der Speiseröhre scheiterten sie bislang - jetzt gelang es erstmals bei Ratten.

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Speiseröhren Foto: Macchiarini
Gerüst. Die Fasern bleiben bestehen, auch wenn alle Zellen abgelöst wurden (links). Dieses Gerüst ermöglichte es den Forschern,...Foto: Macchiarini

Forschern um Paolo Macchiarini vom Karolinska Institutet in Stockholm ist es gelungen, Teile einer Speiseröhre zu rekonstruieren und Ratten einzupflanzen. Die im Labor gezüchteten Speiseröhren waren von Blutgefäßen und Nerven durchzogen, es hatten sich Muskelzellen und eine Schleimhautschutzschicht entwickelt, schreiben sie im Fachblatt „Nature Communications“. Die Ratten erholten sich schnell, in den folgenden zwei Wochen waren keine Anzeichen für Schmerzen oder eine Abstoßung erkennbar. Sie bekamen flüssiges oder weiches Futter und nahmen zu.

Den Ratten erging es damit besser als vielen menschlichen Patienten, denen zum Beispiel wegen eines Tumors oder eines Unfalls die Speiseröhre ganz oder teilweise entfernt werden musste. Bei ihnen wird der Rest der Speiseröhre entweder direkt mit dem Magen verbunden oder es wird ein Stück Dünndarm als Ersatz eingesetzt. Viele können danach schlecht schlucken und haben Schmerzen, so dass sie immer weiter abnehmen.

Eine Speiseröhre aus körpereigenen Zellen zu züchten, wurde deshalb bereits mehrfach versucht – schließlich gibt es auch für Blutgefäße, für die Luftröhre, die Blase und seit kurzem für den Knorpel der Nasenflügel Ersatz aus dem Labor. Doch der Muskelschlauch mit seinen schleimproduzierenden Drüsen erwies sich als widerspenstig. Bis jetzt.

Die Forscher um Macchiarini lösten sie zuerst alle Zellen von einem Stück Speiseröhre ab, bis nur noch ein Grundgerüst übrig blieb. Das Gerüst half Bindegewebsstammzellen aus dem Knochenmark, zu einer Speiseröhre zu werden. Zumindest ein Fünftel des Organs konnten die Forscher bei den Ratten ersetzen. Das sei ein vielversprechender erster Schritt, finden sie. Nun wollen sie die Methode an größeren Tieren ausprobieren und ihr Wohlergehen länger beobachten. Erst danach kommen Tests an Patienten.

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