Rohstoffknappheit : Experten warnen vor Kriegen um natürliche Ressourcen

Der weltweite Kampf um den Zugang zu Ressourcen wie Land, Energie und Wasser könnte zu regionalen Kriegen führen. Eine Studie im Auftrag eines europäisch-amerikanischen Think tanks fordert jetzt politische Antworten der Weltgemeinschaft.

Sven Titz
Neue Wüsten. Schon heute gibt es immer wieder Streit ums Wasser.
Neue Wüsten. Schon heute gibt es immer wieder Streit ums Wasser.Foto: AFP

Der Streit um Ressourcen löst zunehmend internationale Konflikte aus. Wenn Europa und Nordamerika sich nicht stärker darum kümmern, politische Antworten auf den steigenden Bedarf an Land, Energie, Nahrung, Wasser und mineralischen Rohstoffen zu finden, könnten sich an mehreren Orten der Welt kriegerische Auseinandersetzungen entwickeln. Davor warnen sechs Wissenschaftler in einer Studie, die sie im Auftrag einer europäisch-nordamerikanischen Denkfabrik, der Transatlantic Academy, erarbeitet haben. Am Mittwochabend stellten sie ihr Werk „The Global Resource Nexus“ im Auswärtigen Amt in Berlin der Öffentlichkeit vor.

Bei den Rohstoffen hängen die Nationen vital voneinander ab. Die Wirtschaft von 95 Ländern basiere wesentlich auf dem Rohstoffexport; die EU hingegen sei der größte Importeur der Welt, sagte der Ökonom Raimund Bleischwitz vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie. Mit vielen Ressourcen gehe man aber verschwenderisch um. Besonders problematisch sieht er die Situation bei Phosphor, das als Rohstoff für die Herstellung von Dünger wesentlich für die Nahrungsmittelproduktion sei, aber zu 50 bis 80 Prozent verloren gehe. Er rät zu einem internationalen Abkommen zur Wiedergewinnung des Stoffes.

Es sei schwierig, politische Lösungen für das Ressourcenproblem zu finden, geben die Autoren zu. Zunächst müssten die EU, USA und Kanada „zu Hause aufräumen“, sagte Bleischwitz: Ressourcen sollten innerhalb von 20 Jahren doppelt so effizient genutzt werden wie heute; Energie müsse nachhaltiger produziert werden. Außerdem sollte der Preis der Ressourcen stärker die Wirklichkeit widerspiegeln. Nicht nachhaltige Subventionen müssten abgebaut werden; die Kosten umweltschädlicher Effekte sollten hingegen enthalten sein. Man könnte etwa international eine Kohlenstoffsteuer wegen des Treibhauseffekts einführen.

International werden die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China immer mächtiger, in denen die Mittelschicht rasch wächst. Dadurch steigt auch der Ressourcenverbrauch. Man müsse dringend stärker mit diesen neuen „Mitspielern“ verhandeln, fordern die Autoren – andernfalls könnten gefährliche Konflikte entstehen. Besonders umstritten sei zurzeit das Südchinesische Meer, erläuterte Geoffrey Kemp, Politikexperte am Center for the National Interest in Washington. In der Region kämen ein extrem dichter Warenverkehr, ein rasantes Wirtschaftswachstum und starke politische Spannungen zwischen China und seinen Nachbarländern zusammen. Auf solche Querverbindungen des Ressourcenproblems mit anderen Faktoren haben die Autoren in ihrer Studie besonders viel Wert gelegt.

Als bedenklich sehen sie den Trend an, dass Ressourcenpolitik zunehmend wieder nach nationalen Interessen definiert wird. Besonders deutlich wird das beim Wasser: Äthiopien baut Dämme am Oberlauf des Nils, von dem Ägypten abhängt. China wiederum könnte in Tibet die großen Ströme anzapfen, die für die südasiatischen Länder lebenswichtig sind. Angesichts solcher Interessenskonflikte halten die Autoren der Studie das Problem der Ressourcen heute für dringender als in den 1970er Jahren.

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