Schavans Dissertation : Welche Stellen beanstandet werden

An 60 Stellen der 351 Seiten langen Dissertation beanstandet der Uni-Gutachter Stellen, die in seinen Augen Plagiate darstellen. Einige Beispiele.

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Der Uni-Gutachter erkennt ein typisches Muster: Schavan suggeriere, sie habe sich eigenständig mit den Originaltexten von Philosophen und Psychologen beschäftigt. Dabei nutze sie tatsächlich aber Darstellungen aus der Sekundärliteratur, ohne das jedoch ausreichend zu kennzeichnen.

Bekannt sind aus dem Gutachten mehrere Beispiele. So behandele Schavan an einer Stelle Positionen des Biologen Wilhelm H. van der Marck und des Theologen Josef Fuchs. Tatsächlich sei sie „dabei jedoch erkennbar abhängig von Auer, der aber nicht genannt wird“, zitiert der „Spiegel“ das Gutachten. Auf den Seiten 75 und 76 der Dissertation verwende sie Textbausteine von Ernst Stadter, aber „jeder Verweis auf Stadter unterbleibt; auch im Literaturverzeichnis wird er nicht aufgeführt“.

An einer anderen Stelle gibt Schavan eine längere Passage über den österreichischen Psychoanalytiker Igor Caruso als eigene Beschäftigung mit dessen Schriften aus und verweist in den Fußnoten auf Caruso. Tatsächlich bedient sie sich aber in der ganzen Passage bei der Habilitationsschrift von Antoni Nowak, der von Schavan aber nur einmal zititert werde, wie die „Süddeutsche“ schreibt. Auch habe sie einen Text des Soziologen Niklas Luhmann in längeren Passagen vollständig übernommen, diese jedoch nur vereinzelt kenntlich gemacht.

Die beanstandeten Stellen beschränken sich aber nicht nur auf den Forschungsbericht, in dem sich Schavan mit anderen Denkern auseinandersetzt. Auch im letzten Teil, in dem Schavan ihre eigenen Thesen formuliert, wird die Arbeit beanstandet. Auf der Seite 322 werde ein „Textausschnitt als das bündige Resümee eigenständiger Thesenbildung präsentiert. Tatsächlich ist dieser Absatz jedoch aus unverändert übernommenen oder geringfügig angepassten Textbausteinen aus Hupperschwiller ein Jugendkriminologe, die Red.] zusammengefügt“, schreibt der Gutachter.

Auf der Webseite „Schavanplag“ werden sogar 91 Stellen beanstandet. So wird dort ein Satz identifiziert, den Schavan von Hannah Arendt übernommen haben soll. Arendt werde aber in der gesamten Arbeit gar nicht genannt. Laut „Schavanplag“ habe die Ministerin auch bei der Beschäftigung mit Sigmund Freud unsauber gearbeitet. Die Autorin suggeriere zwar, sie habe Freuds „Das Unbehagen in der Kultur“ sowie „Totem und Tabu“ rezipiert. Tatsächlich habe Schavan aber Ausführungen von zwei anderen Wissenschaftlern paraphrasiert, ohne das entsprechend zu kennzeichnen. Auch „Schavanplag“ führt zahlreiche Stellen im Abschlussteil der Arbeit auf.

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