Skandal um Leuphana-Neubau : Das Lüneburger Traumprojekt taumelt

Stararchitekt Daniel Libeskind baut für die Leuphana-Universität in Lüneburg. Mittlerweile ist das ein Fall für die Korruptionsermittler der EU - und für die Staatsanwaltschaft.

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Leuphana-Präsident, Vizepräsident und Architekt mit dem Modell des Neubaus.
Glashaus. Moniert wird unter anderem die Professur für Libeskind. Im Bild Unileiter Sascha Spoun, Architekt Daniel Libeskind und...Foto: picture-alliance/ dpa

Für die einen weist die gezackte Zink-Glas-Fassade in die Zukunft einer Modellhochschule. Für die anderen ist das Audimax-Gebäude nach den Entwürfen des Stararchitekten Daniel Libeskind schlicht Ausdruck von Größenwahn. Die Leuphana-Universität in der Provinz von Lüneburg wolle sich damit zum „Harvard in der Heide“ aufschwingen, spotten Studierende und Lehrende.

Damit könnte die Uni-Spitze mit dem Präsidenten Sascha Spoun und seinen Vize Holm Keller vielleicht gut leben. Doch längst hat das fast ausschließlich aus öffentlichen Mitteln finanzierte Prestigeobjekt auch Staatsanwälte, den Rechnungshof und die für Fördermittel zuständige EU-Generaldirektion Regio auf den Plan gerufen. Die Fertigstellung des 2011 begonnenen Baus verschiebt sich von Oktober 2014 auf August 2015, die Finanzierung wackelt, die veranschlagten Kosten von 57,7 Millionen Euro lassen sich nicht mehr halten. „Es ist bedauerlich, dass die in vielen Punkten erfolgreiche Leuphana in ein unkomfortables Licht gerückt worden ist“, sagt Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), die die Probleme von ihrer CDU-Vorgängerin Johanna Wanka, heute Bundesbildungsministerin, geerbt hat.

Die Leitung der mit rund 7000 Studenten relativ kleinen Stiftungsuni hatte sich vor gut sechs Jahren mit dem Segen der damaligen CDU/FDP-Landesregierung ein scheinbar pfiffiges Konstrukt ausgedacht: Libeskind bekommt eine nebenberufliche W-3-Professorenstelle, in deren Rahmen er das Audimax-Zentralgebäude entwirft und begleitet. Doch in einem im Juni vorgelegten Bericht zweifelt die EU-Antibetrugsbehörde OLAF in etlichen Punkten die Rechtmäßigkeit der Vereinbarung an, spricht von einem „klaren Umgehungscharakter“. Die Ausschreibung der Professur sei auf Libeskind „zugeschnitten“ worden, der Entwurf für den Bau habe schon vor der Berufung existiert, der Architekt habe nur eine „sporadische Lehrtätigkeit“ mit sechs bis zehn Veranstaltungen pro Jahr ausgeübt, monieren die Korruptionsermittler. Zudem habe die Leuphana mit Libeskind einen Vertrag über 200 000 Euro für „baukünstlerische Beratung“ geschlossen, obwohl diese von der mit 50 000 Euro jährlich vergüteten Lehrtätigkeit hätte abgedeckt werden sollen.

Zahlungen an Libeskind: Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt

Daneben rügt OLAF diverse Verstöße gegen Vergaberichtlinien sowie mögliche Interessenkonflikte wegen geschäftlicher Beziehungen zwischen Libeskind und Keller. Die Zahlungen an den Architekten sind Gegenstand von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stade; es bestehe der Verdacht der Untreue. Der Vizepräsident weist sämtliche Vorwürfe empört zurück.

Durch die dubiosen Umstände gerät auch der EU-Zuschuss von 10,4 Millionen Euro für das Projekt in Gefahr. Auch der Landesrechnungshof nahm mehrmals Anstoß an der Finanzierung des Zentralgebäudes, etwa wegen zu hoch veranschlagter Erlöse für einen bis heute nicht vollzogenen Grundstücksverkauf. Die Uni hat inzwischen einen Nachschlag von 7,5 Millionen Euro für die Baukosten errechnet, den sie nach eigenen Angaben aus Rücklagen begleichen kann.

Daran wie am gesamten Zahlenwerk hegt die rot-grüne Landesregierung Zweifel, befürchtet, dass es nicht bei den 21 Millionen Euro an Landesmitteln für den Lüneburger Prachtbau bleibt. Trotzdem will das Wissenschaftsministerium das Projekt mit Druck und Hilfe irgendwie zum erfolgreichen Abschluss bringen: „Eine teure Bauruine können wir uns nicht leisten.“

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