• „Stifter dürfen Forscher nicht beeinflussen“ Verband will klare Regeln für Unis und Wirtschaft

Wissen : „Stifter dürfen Forscher nicht beeinflussen“ Verband will klare Regeln für Unis und Wirtschaft

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Wie weit dürfen Firmen Einfluss auf die Forschung von Hochschulen nehmen, wenn sie diesen Professuren stiften? An dieser Frage scheiden sich immer wieder die Geister. Zuletzt gab es Diskussionen um ein von der Deutschen Bank gesponsertes Institut an der TU und der HU Berlin, wozu auch zwei Stiftungsprofessuren gehörten. Dass für Förderer „kein Anspruch auf die Verwertung von Forschungsergebnissen besteht“, stellt jetzt ein Sprachrohr der Forschungssponsoren selbst klar: Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der rund 3000 Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen repräsentiert, die Wissenschaft fördern. „Der Geldgeber nimmt später keinen Einfluss auf Forschung und Lehre“, heißt es in Empfehlungen für die Errichtung von Stiftungsprofessuren, die der Verband am Donnerstag veröffentlichte.

Aktuell gibt es nach Angaben des Stifterverbandes rund 1000 Stiftungsprofessuren in Deutschland, bei 40 000 Professuren insgesamt. Der Stifterverband hat seit Mitte der Achtziger allein mehrere hundert privat finanzierte Professuren eingerichtet, alle von ihm betreuten Professuren sollen dem neuen „Code of Conduct“ folgen, heißt es. Stiftungsprofessuren seien „kein Instrument zur Durchführung von Auftragsforschung“, erklärte Generalsekretär Andreas Schlüter. Dafür müssten Hochschulen und Firmen andere Kooperationsformen wählen.

Unis und Sponsoren sollten sich einvernehmlich über das von der Stiftungsprofessur zu bearbeitende Forschungsfeld verständigen. Später dürften die Stifter dann keinen Einfluss mehr nehmen. Alle Beteiligten müssten sich „verpflichten, jederzeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen“, heißt es in den Empfehlungen. Ein „standardisiertes Berichtswesen“ solle inhaltliche Überprüfungen ermöglichen. Bei Zweifelsfällen müssten Unis und Firmen unabhängige Experten hinzuziehen.

Die Kritik, Stiftungsprofessuren würden die Freiheit der Wissenschaft untergraben, wies Schlüter zurück. Die Einrichtung solcher Professuren erfolge „nach Recht und Gesetz“. Die im Grundgesetz geschützte Freiheit von Forschung und Lehre würde so gewährleistet. Im Übrigen ermögliche es private Finanzierung den Hochschulen, „sich neue Forschungsgebiete zu erschließen“, erklärte Schlüter.

Bei der inzwischen beendeten Kooperation von Deutscher Bank und TU und HU hatten sich Kritiker vor allem an einem Vertragswerk zur Arbeit des gemeinsamen „Quantitative Products Laboratory“ gestoßen. Ein paritätisch von Bank und Unis besetzter Lenkungsrat sollte danach das Institut inhaltlich steuern, die Bank behielt sich das letzte Wort vor. Die Forscher sollten der Bank zudem alle Ergebnisse 60 Tage vor der Weitergabe an Dritte vorlegen. Die Bank finanzierte dabei nicht nur die Professuren, sondern das gesamte Institut. Von ihren Mitspracherechten machte sie aber nach Angaben der Unis nie Gebrauch. Gleichzeitig wandten Beteiligte ein, der Vertrag habe die Auftragsforschung am Institut geregelt, was völlig normal sei. Tilmann Warnecke

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