• Streit um Frauen in der Wissenschaft: Grüne kritisieren Frauenpolitik in der Wissenschaft „Bundesregierung weder willens noch in der Lage"

Streit um Frauen in der Wissenschaft : Grüne kritisieren Frauenpolitik in der Wissenschaft „Bundesregierung weder willens noch in der Lage"

Im EU-Vergleich liegt Deutschland bei den Professorinnen weiter unter dem Durchschnitt. Die Grünen wollen, dass der Bund neue Instrumente anlegt

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Mehr Professorinnen. Deutschland schneidet in der EU unterdurchschnittlich ab. Das Foto zeigt die Physikerin Cornelia Denz an der Universität Münster.
Mehr Professorinnen. Deutschland schneidet in der EU unterdurchschnittlich ab. Das Foto zeigt die Physikerin Cornelia Denz an der...Foto: Friso Gentsch/dpa/p-a

Die Grünen im Bundestag kritisieren die Bundesregierung heftig für ihre Frauenpolitik in der Wissenschaft. Die Bundesregierung sei „weder willens noch in der Lage, neue Wege für mehr Chancengerechtigkeit in der Wissenschaft zu gehen“, erklärt Kai Gehring, Sprecher für Wissenschaft: „Gestaltungschancen, um mehr Verbindlichkeit zu schaffen, nutzt sie nicht. Über Wissen, wie Gleichstellungsmaßnahmen und -instrumente wirken, verfügt sie nicht. Neue Initiativen hat sie kaum gestartet.“

Anlass ist die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen. Daraus geht hervor, dass Deutschland bei der Besetzung von Professuren mit Frauen sich zwar zwischen 2005 und 2013 von rund 14 auf rund 21 Prozent gesteigert hat. Doch im EU-Vergleich belegt es damit nur einen Platz im hinteren Drittel. Schweden und Serbien sind demnach die einzigen EU-Länder, in der Geschlechterparität in der Wissenschaft erreicht ist. Der Anteil von Frauen in Leitungspositionen der deutschen Wissenschaft stieg demnach von 2010 bis 2014 von 12 auf 17 Prozent. Auch damit liegt Deutschland aber unter dem EU-Durchschnitt.

Bundesregierung: Die Exzellenzinitiative verstärkt die Aufmerksamkeit für das Thema

Und auf Nachfrage der Grünen muss die Bundesregierung mitteilen, dass auch in der Exzellenzinitiative, in der das Thema Gleichstellung ein programmatisches Ziel war, kaum mehr Wissenschaftlerinnen beteiligt waren als sonst. In den Clustern lag der Anteil von Professorinnen auch nur bei 23 Prozent. Die Bundesregierung erklärt allerdings, die Exzellenzinitiative habe „eine spürbar gewachsene institutionelle Aufmerksamkeit für Fragen der Gleichstellung“ bewirkt.

Eine Gesamtübersicht über die Wirksamkeit ihrer gleichstellungspolitischen Instrumente liegt der Bundesregierung nicht vor, wie sie mitteilt.  Allerdings sollen etwa das Professorinnenprogramm, über das bislang 500 Professorinnen  berufen wurden, sowie der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen evaluiert werden. In Deutschland gab es im Jahr 2014 insgesamt 10062 Professorinnen.

Müssen neue Maßnahmen ergriffen werden? Die Bundesregierung weicht aus

Der Frage der Grünen, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um einen annähernden Gleichstand zwischen den Geschlechtern bis zum Jahr 2030 herzustellen, weicht die Bundesregierung aus.

Auch bei den außeruniversitären Einrichtungen will sie keine neuen Instrumente suchen. Die außeruniversitären Forschungsorganisationen wurden im Jahr 2011 von Bund und Ländern verpflichtet, ihre sehr niedrigen Anteile von Professorinnen über selbstgesetzte Zielquoten zu erhöhen. Zuletzt monierten Bund und Länder aber im Monitoringbericht der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) fehlende Ambitionen der Außeruniversitären. Auf die Frage der Grünen, ob aus Sicht der Bundesregierung darum mehr Verbindlichkeit beim Erreichen der Quoten nötig sei, erklärt die Bundesregierung, die Zielquoten seien bereits verpflichtend.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Ulle Schauws folgert: „Der Bundesregierung fehlt es an der notwendigen Wissensbasis und Entschlossenheit, um fortbestehende strukturelle Hindernisse bei der Geschlechtergerechtigkeit zu überwinden.“

 

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