Studentischer Richtungsstreit : Der Dachverband fzs wehrt sich gegen Kritik

Zu teuer, reformunwillig und zu links: Bisher kam Fundamentalkritik am "Freien Zusammenschluss von Studierendenschaften" vor allem vom RCDS. Jetzt beschloss die Uni Bremen den Austritt und ein "Netzwerk" sucht nach Alternativen zum Verband.

von
Studierende protestieren im Jahr 2009 gegen Misstände im Bachelor-Studium.
Protestfreudig. Beim „Bildungsstreik 2009“ für ein besseres Bachelor-Master-System gehörte der fzs zu den Initiatoren.Foto: Thilo Rückeis

Studierende haben in Deutschland eine gute Lobby. An den Unis sind sie durch Studierendenparlamente repräsentiert, die Asten oder anders bezeichnete studentische Vertretungen wählen. Und auf Bundesebene gibt es den „Freien Zusammenschluss von Studierendenschaften“ (fzs), dem sich immerhin 89 der deutschen Hochschulen angeschlossen haben. Der Dachverband vertritt knapp eine Million Studierende in hochschulpolitischen Fragen und hat sogar Anhörungsrecht in Ausschüssen des Bundestages.

Ein Aufruf zu Uni-Assist, dem Service für ausländische Studienbewerber, Mindestlohn und Tarifverträge auch für Studierende, die ausstehende Bafög-Novelle: Wortmeldungen des fzs der vergangenen Wochen lassen den Verband als engagierte, wenn auch eindeutig im linken Spektrum zu verortende Stimme der Studierenden erscheinen. Doch es gibt Kritik am fzs – und die kommt nicht nur vom Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS), demzufolge der fzs zu viel kostet, Reformen verschleppt und „linker Strömungsverband“ ist. Kürzlich trat eine Frauenbeauftragte des Verbandes erbost zurück, weil sie dort ein „männlich dominantes Kommunikationsverhalten“ erlebt habe. Und die Universität Bremen beschloss gleich den kompletten Austritt.

„Wir sehen die Notwendigkeit einer bundesweiten Vertretung, aber viele kritisieren auch, dass der fzs sich mit seinen Debatten im Kreis dreht“, sagt Asta-Vorstand Jan Romann von der Uni Bremen. Dafür sei die Mitgliedschaft einfach zu teuer. Der fzs finanziert sich durch Beiträge seiner Mitglieder. Hochschulen mit verfasster Studierendenschaft und mehr als 10 000 Studierenden etwa zahlen einen jährlichen Beitrag von 80 Cent pro Studierendem. In Berlin sind die Freie Universität und die Humboldt-Uni seit Jahren nicht mehr Mitglied.

fzs: Bremen hat Austritt nicht vollzogen

Katharina Mahrt aus dem Vorstand des fzs sieht den Verband dadurch nicht gefährdet. Bremen habe den Austritt bislang nicht vollzogen, mit Heidelberg und Magdeburg seien gerade zwei Unis beigetreten. Kritik, der fzs würde sich nicht mit studentischen Kernthemen beschäftigten, weist Mahrt zurück. Dass man etwa „Mindestlohn für alle“ fordere und nicht nur für Studierende, sei selbstverständlich. Das Thema habe nun einmal „gesamtgesellschaftliche Relevanz“.

Der RCDS plant unterdessen die Auflösung des fzs, in dem er wegen der linken Mehrheiten in den Studierendenschaften nur schwach vertreten ist. Der Verband solle durch einen „studentischen parlamentarischen Beirat“ ersetzt werden, der beim Bundesbildungsministerium angesiedelt ist. Dieser solle nur aus den Partei-Hochschulgruppen bestehen, deren vier große Schwestern zurzeit im Bundestag sitzen. „Dieses Modell wäre kostengünstiger und könnte effektivere Lobbyarbeit für Studenten leisten“, sagt der RCDS-Bundesvorsitzende Martin Röckert. Für den Verbleib der kleinen Fach-Listen müsse noch eine Lösung gefunden werden. Der Antrag zur Selbstabschaffung des fzs stieß bei den anderen fzs-Mitgliedern aber bis jetzt auf keine große Begeisterung. Er wurde schon drei Mal vertragt.

Ein "Studierendennetzwerk" will eine effektive Task Force

Ein weiterer Vorschlag kommt von der neu gegründeten Gruppe „Studierendennetz Deutschland“: Mit einer überparteilichen „Task-Force“ sollten Mitgliedsbeiträge gesenkt, mehr Kapazitäten für Kernthemen geschaffen sowie Bekanntheitsgrad und Image des Verbandes verbessert werden, hieß es in einer kürzlich verbreiteten Rundmail. Der Verband dürfe auch nicht länger „Parteikarrieresprungbrett“ sein. Gemeint sein könnte der ehemalige fzs-Vorstand Erik Marquardt, der 2013 politischer Bundesgeschäftsführer der Grünen Jugend wurde.

Zum Statement des „Studierendennetzes“ möchte sich der aktuelle fzs-Vorstand nicht äußern. Es handele sich um eine anonyme Gruppe, mit der kein Kontakt bestehe.

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar