Wissen : Studie mit Stammzellen abgebrochen Klinischer Versuch war der erste seiner Art

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Die Nachricht hatte im Oktober 2010 für Schlagzeilen gesorgt: Die Firma Geron in Kalifornien hatte erstmals eine Therapie, die auf embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) basiert, an einem Menschen getestet. Ziel war es, dem verletzten Rückenmark von Patienten zu helfen, neue Nerven aussprossen zu lassen und sich wieder zu verbinden. Gelähmte sollten wieder gehen können, das war der Traum. Querschnittsgelähmte wie der 2004 verstorbene Schauspieler Christopher Reeves hatten auf derartige Therapien gehofft. Doch nur ein Jahr und drei Patienten später ist Schluss. Das Unternehmen gab diese Woche bekannt, sich aus der Stammzellforschung zurückzuziehen.

Als Grund nennt Geron die schlechte wirtschaftliche Lage. Das Unternehmen wolle seine Ressourcen auf zwei Krebsmedikamente konzentrieren, die es entwickelt. An das Potenzial von Stammzellen glaube er aber nach wie vor, sagte Firmenchef John Scarlett.

Viele Forscher fürchten dennoch eine Signalwirkung. Geron gehörte zu den Pionieren der Stammzellforschung. So hatte das Unternehmen Ende der 90er Jahre die erste Isolation menschlicher Stammzellen, die an der Universität von Wisconsin gelang, mitfinanziert. Und die Ankündigung der ersten klinischen Studie war weltweit als Zeichen für den Fortschritt der Stammzellforschung aufgenommen worden.

Die Studie, die jetzt gestoppt wurde, war aber nie darauf angelegt, die Wirksamkeit der Therapie nachzuweisen. Zunächst ging es darum, zu zeigen, dass das Vorgehen für die Patienten nicht gefährlich ist. Tatsächlich habe es keine Zeichen für Sicherheitsprobleme gegeben, sagte Firmenchef Scarlett. Es habe aber auch keine Hinweise darauf gegeben, dass die Zellen den Patienten geholfen hätten.

Als Hoffnungsträger der Therapie mit ES-Zellen bleibt nun nur die Firma Advanced Cell Technology. Sie behandelt zurzeit Menschen, die unter Makulardegenaration leiden, einer Krankheit, die zur Erblindung führen kann. Die Stammzellen werden im Labor angeregt, sich zu Netzhautzellen zu entwickeln und den Patienten dann ins Auge gespritzt. Mit den weniger umstrittenen iPS-Zellen, Stammzellen, die aus den erwachsenen Zellen eines Patienten gewonnen werden können, laufen zahlreiche weitere klinische Studien. Kai Kupferschmidt

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