Wissen : Studierende im Prüfungsstress

Studie: Lob und Tadel für den Bachelor

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Studieren in der Masse. Die Hälfte der Studierenden kritisiert die Betreuung. Foto: dapd
Studieren in der Masse. Die Hälfte der Studierenden kritisiert die Betreuung. Foto: dapdFoto: dapd

Bachelor-Studierende leiden unter einem deutlich größeren Prüfungsdruck als Kommilitonen in den alten Studiengängen. Vor allem die Anforderungen sind den Bachelor-Studenten oft völlig unklar, die Dichte der Prüfungen macht ihnen zu schaffen. Das ist das Ergebnis eines „Studierendensurveys“ von Sozialwissenschaftlern der Universität Konstanz. „Prüfungen sind das zentrale Problem bei der Studienreform“, sagte Michael Ramm, einer der Studienleiter, bei der Präsentation der Ergebnisse am Dienstag in Berlin. Es gebe aber auch positive Resultate: Die fachliche Qualität des Studiums werde überwiegend sehr gut bewertet. Anders als oft in der Öffentlichkeit diskutiert, seien die meisten Bachelor-Studierenden zuversichtlich, einen angemessenen Job nach dem Abschluss zu bekommen.

Für die Studie befragten die Forscher bundesweit 7590 Studierende neuer und alter Studiengänge von 25 Hochschulen. Auch die TU Berlin und die Uni Potsdam waren einbezogen. Durchgeführt wurde die Befragung im Wintersemester 2009/2010 – also in einer Zeit, als viele Studierende wegen der Probleme im Studium auf die Straße gingen. Eine Bachelor-Studie mit ähnlichen Fragen hatten die Konstanzer Wissenschaftler bereits im vergangenen Frühjahr vorgelegt. Seitdem seien die Befunde und Probleme „ähnlich geblieben“, sagte Ramms Kollege Tino Bargel.

64 Prozent der Bachelor-Studierenden beklagen, sie hätten größere Schwierigkeiten, die Leistungsanforderungen zu erfüllen. 40 Prozent kritisieren, sie müssten zu viele Leistungsnachweise ablegen. Nur für 22 Prozent sind die Prüfungsanforderungen klar. Sogar nur 15 Prozent sind der Auffassung, die Prüfungen seien abgestimmt auf die Lehrinhalte. Die Studierenden, die noch in den alten Studiengängen eingeschrieben sind, bewerten die Prüfungssituation zwar etwas besser, aber auch sie sind unzufrieden. Die Hochschulen müssten „reagieren“, sagte Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Mit dem Qualitätspakt für Lehre habe die Politik die richtige Weiche gestellt, um die Probleme zu beheben. Nicole Gohlke, wissenschaftspolitische Sprecherin der Linken, forderte dagegen, Bund und Länder müssten die „Alarmsignale“ ernst nehmen und sich beim Bachelor vom „Billigstudium“ verabschieden.

Trotz der Probleme denken nur wenige Studierende ernsthaft daran, ihr Studium abzubrechen oder ihr Fach zu wechseln. Die straffere Struktur der neuen Studiengänge führt offensichtlich auch dazu, dass die Studierenden trotz der Anforderungen in der Regelstudienzeit bleiben. Beim Bachelor sind weniger als ein Drittel mit ihrem Studium in Verzug, während es bei den Diplom- und Magister-Studierenden gut zwei Drittel sind.

Der Inhalt des Studiums wird gelobt: Fast drei Viertel der Befragten vergeben gute und sehr gute Noten. Beim Bachelor sind die Ergebnisse mit 72 Prozent Zustimmung besser als beim Magister (68 Prozent) und beim Staatsexamen (70 Prozent). Aufbau und Durchführung des Studiums wird in den neuen wie den alten Studiengängen ebenfalls überwiegend positiv bewertet. Gemischt ist die Bilanz bei der Betreuung. 49 Prozent der Bachelor-Studierende halten sie für gut. Das sind mehr als in den Staatsexamen-Studiengängen (41 Prozent), aber weniger als bei Diplom (55 Prozent) und Magister (58 Prozent). Dabei erlebten die Studierenden ihre Dozenten durchaus als fachlich sehr gut vorbereitet, sagte Tino Bargel. Sie vermissten aber oft eine gelungene Vermittlung des Stoffes: „Der gute Wille bei den Dozenten ist da, aber sie wissen nicht immer, wie sie unterrichten sollen.“ Dozenten müssten besser geschult werden, wie sie Studierende in großen Lehrveranstaltungen aktivieren oder wie sie ein Projektstudium gestalten.

76 Prozent der Bachelor-Studierenden gehen nicht davon aus, beim Berufseinstieg größere Probleme zu bekommen. Inzwischen hat sich aber die Motivation bei der Jobwahl geändert. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes spielt im Vergleich zu vor zehn Jahren eine wichtigere Rolle. Intrinsische Werte wie Selbständigkeit oder die Möglichkeit, neue Aufgaben übernehmen zu können, rücken dagegen in den Hintergrund.Tilmann Warnecke

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