Wissen : Theatergeschichte wird gemacht

11.01.2011 19:57 Uhr
Fischer-Lichte mit Nachwuchspreisträgerin Marianne Maertens. Foto: Davids/Darmer Foto: © Jirka Jansch
Fischer-Lichte mit Nachwuchspreisträgerin Marianne Maertens. Foto: Davids/Darmer - Foto: © Jirka Jansch

Erika Fischer-Lichte erhielt den Berliner Wissenschaftspreis

Viele tausend Besucher strömten am vergangenen Wochenende in die „Weltwissen“-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau. Bei der Finissage am Montagabend waren die Ausstellungsmacher sichtlich erleichtert über den großen Publikumserfolg zum Abschluss. Und an diesem wirklich allerletzten Abend feierte noch einmal die Prominenz aus Universitäten, Forschungsinstituten und Politik eine beeindruckende Leistungsschau von 300 Jahren Berliner Wissenschaft.

Verbunden wurde der Abschied von „Weltwissen“ mit der Auszeichnung zweier Berliner Wissenschaftlerinnen: Die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte erhielt den mit 40 000 Euro dotierten Berliner Wissenschaftspreis 2010, die Experimentalpsychologin Marianne Maertens den mit 10 000 Euro dotierten Nachwuchspreis.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte Fischer-Lichte als „eine der bedeutendsten europäischen Theaterwissenschaftlerinnen und herausragende kreative Organisatorin“. Erika Fischer-Lichte (67) leitet das internationale Forschungskolleg „Verflechtungen von Theaterkulturen“ an der Freien Universität, war von 2002 bis 2010 Sprecherin des Sonderforschungsbereichs „Kulturen des Performativen“ und ist Autorin zahlreicher Grundlagenwerke zur Theaterwissenschaft. Fischer-Lichte habe für ihr Fach Geschichte gemacht, weil sie eine Schule begründet und die performative Wende in der Theaterwissenschaft „erzeugt“ hat, sagte Laudatorin Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Als „vorzügliche Mentorin“ brachte Fischer-Lichte viele ihrer Schülerinnen und Schüler auf Professuren. Theateraufführungen beschreibt sie als performative Ereignisse, an denen Zuschauer wie Künstler im Augenblick der Aufführung leibhaftig teilhaben. „Die Entdeckung des Zuschauers“ heißt eines ihrer Bücher dazu.

Nachwuchspreisträgerin Marianne Maertens (31) forscht an der Technischen Universität und am Berliner Bernstein Center for Computational Neuroscience. Mit ihren experimentalpsychologischen Arbeiten zur visuellen Wahrnehmung von Helligkeit betrete sie Neuland, sagte Laudator Wolfgang Wahlster, Leiter des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz.

Der Berliner Wissenschaftspreis wird seit 2008 verliehen, mit Fischer-Lichte erhielt erstmals eine Geisteswissenschaftlerin den Hauptpreis. Preisträger 2008 war der Mathematiker Martin Grötschel, Professor an der TU und Vizepräsident des Konrad-Zuse-Zentrums für Informationstechnik. 2009 wurde der Systembiologe Nikolaus Rajewski vom Max-Delbrück-Centrum ausgezeichnet. -ry

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