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Trappist-1 : Forscher entdecken System mit sieben erdähnlichen Planeten

40 Lichtjahre entfernt haben Astronomen einen seltenen Fund gemacht: Um den Zwergstern Trappist-1 kreisen sieben Planeten - die der Erde ähneln und auf denen es Wasser geben könnte.

Einer der Planeten im Trappist-System - wie ein Künstler ihn sieht
Einer der Planeten im Trappist-System - wie ein Künstler ihn siehtFoto: AFP/Europaean Southern Observatory/M. Kornmesse

Ein System aus sieben Planeten haben Forscher nicht zum ersten Mal entdeckt. Doch dieses ist eine Besonderheit: Astronomen haben bei einem Roten Zwergstern in unserer kosmischen Nachbarschaft - 40 Lichtjahre entfernt - mit einem Schlag sieben Planeten aufgespürt, die eine Größe wie die Erde haben.

Und nicht nur das: Sechs dieser Himmelskörper liegen in einer Temperaturzone, in der Wasser flüssig sein kann. Das wiederum ist eine Voraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

Drei der Planeten könnten sogar Ozeane auf ihrer Oberfläche besitzen, sofern sie erdähnliche Atmosphären haben, schreiben die Forscher um Michaël Gillon von der Universität Liège (Lüttich) in Belgien im britischen Fachblatt "Nature".

Damit gehört das Sonnensystem des Roten Zwergs mit dem Namen Trappist-1 zu den Orten, an denen die Suche nach außerirdischem Leben besonders aussichtsreich erscheint. Hinweise darauf haben die Forscher freilich nicht.

"Auf der Suche nach Leben anderswo ist dieses System nach heutigem Stand wahrscheinlich die beste Wahl", sagte Ko-Autor Brice-Olivier Demory von der Universität Bern.

"Wir haben einen entscheidenden Schritt auf der Suche nach Leben dort draußen gemacht", sagte ein weiterer Ko-Autor, Amaury Triaud von der Universität Cambridge.

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Sieben erdähnliche Planeten entdeckt
Sieben erdähnliche Planeten entdeckt

Nach den ersten Erkundungen des Systems Trappist-1 mit dem Teleskop in Chile wurde das Weltraum-Teleskop Spitzer der US-Raumfahrtbehörde Nasa zugeschaltet. Dabei wurde eine neuartige Methode verwendet. Sie ermöglicht es, beim Vorbeiflug eines Planeten vor dem zugehörigen Stern - dem Transit - eine leichte Dämpfung der Helligkeit zu messen. Mit dieser Methode wurde schließlich registriert, dass sechs der sieben Exoplaneten jeweils zwischen 1,5 und zwölf Tage benötigen, um den Zwergstern zu umkreisen.

Die Umlaufbahnen sind viel kürzer als die der Erde um die Sonne. Auch der Abstand ist weit geringer. Wäre die Erde ähnlich nahe an der Sonne, wäre es für die Existenz von Lebewesen viel zu heiß. Bei den Planeten, die die Ordnungsbuchstaben e, f und g tragen, gehen die Forscher davon aus, dass sie "bewohnbar" sein könnten, weil die größten Teile der Oberfläche von Wasser bedeckt sein könnten.

"Wasser ist eine Vorbedingung für Leben", sagte Franck Selsis von der Universität Bordeaux. Darüber hinaus müssten die "richtigen Moleküle" vorhanden sein. Nähere Untersuchungen sollen ab 2018 mit dem Weltraum-Teleskop James Webb der Nasa erfolgen. Wenn alles gut laufe, könne dann der Nachweis von Wasser, Ozon, Kohlendioxid oder Methan erfolgen - um damit auf das Vorhandensein von Lebewesen zu schließen, sagte Forscher Gillon.

Die sieben Planeten im System Trappist-1
Die sieben Planeten im System Trappist-1Foto: AFP/R. Hurt/T. Pyle

Nach den bisher vorliegenden Daten gehen die Forscher davon aus, dass die sieben Exoplaneten zum Teil auch aus Felsen und anderen festen Materialien bestehen. Die Lichteinstrahlung dürfte jedoch wesentlich geringer sein als auf der Erde, wenn sie der Sonne zugewandt ist. "Die Helligkeit wird wohl 200 Mal geringer sein als mittags auf der Erde", sagte Triaud von der Uni Cambridge. Nach seiner Einschätzung dürfte das "einem Sonnenuntergang ähneln".

Dass das System von Trappist-1 recht nah bei der Erde liegt, macht es den Forschern bei ihrer Arbeit relativ einfach. "Dieses System wird eines der besten Labore sein, die wir haben, um die Entwicklung kleiner Planeten zu verstehen", sagte Zachory Berta-Thompson von der Universität von Colorado Boulder.

Vier Planeten erst beim Nachschauen entdeckt

Drei der Exoplaneten hatte dasselbe Team bereits 2016 beschrieben. Es war der erste Fund von Exoplaneten bei einem Roten Zwergstern, einem der häufigsten Sterntypen in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Weitere vier Planeten dieses Sterns haben die Forscher nun durch sorgfältige Nachbeobachtung entdeckt. Alle sieben sind ungefähr so groß wie die Erde und wahrscheinlich Gesteinsplaneten.

Der Zwergstern, den diese Planeten umkreisen, hat lediglich acht Prozent der Masse unserer Sonne. Er ist nicht einmal halb so heiß, wodurch auf seinen Planeten trotz ihrer engen Umlaufbahnen gemäßigte Temperaturen herrschen.

Bislang haben Astronomen über 3500 Exoplaneten - Planeten außerhalb unseres Sonnensystems - registriert. Zudem kennen sie über 600 Systeme mit zwei oder mehr Planeten.

Unter anderem hatten 2013 europäische Astrophysiker von sieben Planeten berichtet, die um den Stern KOI-351 kreisen. Sie seien ähnlich angeordnet wie die Planeten unseres Sonnensystems mit kleinen Gesteinsplaneten nahe dem Zentralgestirn und riesigen Gasplaneten in größerer Entfernung, teilten Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt damals im "Astrophysical Journal" mit. (Tsp mit dpa, AFP)

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