Turners Thesen : Der „Elite“ droht böses Erwachen

Im Jahr 2017 wird sich der Begriff der "Eliteuniversitäten" endgültig in den Köpfen festgesetzt haben. Alle anderen Einrichtungen werden dann den "Rest" verkörpern. Es wird Kollateralschäden geben.

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Kolumnist George Turner.
Kolumnist George Turner.Foto: Mike Wolff

Durch den Sog, verursacht auch durch die finanziellen Sondermittel für die Begünstigten, wird in diesen Universitäten eine Konzentration führender Wissenschaftler auf bestimmten Gebieten stattfinden. Bei den zum Rest gehörenden Universitäten tritt eine Verarmung durch Abwanderung ein. So wird der eine oder andere „Leuchtturm“ in der Provinz geschleift werden. Manche werden das für eine Beseitigung eines Flickenteppichs halten, andere für Verlust von Vielfältigkeit und regionaler Blüte.

Aber auch die Exzellenzuniversitäten leben nicht frei von Zukunftssorgen. Bis zum Jahr 2017 erhalten sie für Forschungscluster und Graduiertenschulen sowie ihre Zukunftskonzepte finanzielle Mittel. Dieses Geld wird in Ausstattung und Personal investiert. Wenn die Förderung ausläuft, wird man einem Teil der Beschäftigten feste Stellen anbieten müssen. Dies wird dadurch geschehen, dass dann verfügbare, zufällig freie Stellen verwendet werden, und zwar auch aus anderen als den geförderten Bereichen. Das bedeutet zwangsläufig eine weitere Verschiebung der Gewichte zugunsten der schon bis dahin besonders geförderten fachlichen Bereiche.

Solche Effekte gibt es auch sonst, wenn zusätzliche Fördermittel auslaufen. Allerdings ist die Größenordnung bei den Exzellenz-Universitäten eine andere als etwa bei der Beendigung von Sonderforschungsbereichen. Die Folgen der befristeten Förderung im Rahmen der Exzellenzinitiative sind bekannt. Wenn die Fakten verdrängt werden, wird es ein böses Erwachen geben. Aber selbst wenn eine vorausschauende Personalplanung die in fünf Jahren eintretende Situation berücksichtigt, werden sich die Gewichte innerhalb der Universitäten verschieben.

Durch die Exzellenzinitiative werden insgesamt in dem, was man Hochschullandschaft nennt, Kollateralschäden eintreten, aber auch an jeder einzelnen sogenannten Eliteuniversität wird es Verwerfungen geben, die jetzt bereits abzusehen sind. Ob solche Konsequenzen bedacht wurden, ist zum mindesten eine offene Frage. Eine brauchbare Antwort gibt es jedenfalls noch nicht.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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