Umfrage an Hochschulen : Studierende trauen dem Bachelor nicht

Nur eine Minderheit der Studierenden sieht sich auf Beruf vorbereitet, sehr viele zweifeln auch an der Bereitschaft der Wirtschaft, Bachelorabsolventen einzustellen. Deshalb streben 62 Prozent ein Masterstudium an.

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Studierende sitzen in einem Hörsaal und lauschen der Vorlesung eines Professors.
Länger bleiben. Weit über die Hälfte der Studierenden wollen in den Master - weil sie sich nach dem Bachelor nicht fit für den...Foto: picture alliance/dpa

Deutsche Bachelor-Studierende scheuen den Arbeitsmarkt, die meisten von ihnen wollen noch einen Master machen. Das bestätigt jetzt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Reemtsma-Begabtenförderungswerks; befragt wurden über 2000 Studierende in Einzelinterviews. Die Mehrheit der Studierenden glaubt der Studie zufolge nicht, dass ein Bachelor-Abschluss sie gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, nur 23 Prozent der Befragten sehen ihn als ausreichend an, um einen Beruf zu ergreifen. Bessere Karriere- und Verdienstmöglichkeiten und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt motivieren fast drei Viertel der Studierenden, die ein Masterstudium planen. Zwei Drittel geben auch an, im Master Wissen vertiefen und sich spezialisieren zu wollen.

Die Skepsis der Studierenden gegenüber dem Bachelor sei noch immer groß, sagt Michael Sommer, Projektleiter des Allensbachs-Instituts. „Die Zahlen überraschen, weil wir erwartet hatten, dass der Bachelor sich mit den Jahren etabliert und sich heute mehr Studierende mit diesem Abschluss auf den Arbeitsmarkt trauen.“

Die Übergangsquote vom Bachelor zum Master sinkt bereits leicht

Das ist offensichtlich nicht der Fall. Denn 61 Prozent der befragten Bachelor-Studierenden planen, nach dem Bachelor noch einen Master zu machen. Im Vergleich zu 2012 ist die Übergangsquote vom Bachelor zum Master damit allerdings schon etwas gesunken. Damals studierten 62 Prozent der Befragten bereits im Master, zehn Prozent planten dies noch, wie aus einer Studie des Hochschulinformationssystems (HIS) hervorging.

Ursprünglich sollte die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse die Studiendauer erheblich verkürzen. Nach Auffassung der Kultusminister sollte der Bachelor der Regelabschluss sein, nach dem die meisten in der Regel nach sechs Semestern die Hochschule verlassen.

Zweifel an den Arbeitgebern, aber die werben um Bachelorabsolventen

Dass der Bachelor auch 13 Jahre nach dem Beginn der Reformen in Deutschland unter den Studierenden noch keinen allzu guten Ruf hat, könnte der Allensbach-Studie zufolge auch an falschen Vorstellungen liegen. Gut die Hälfte der Befragten nimmt an, dass auch Arbeitgeber an der Qualität des Bachelor-Abschlusses zweifeln. Dass diese gerne Bachelor-Absolventen einstellen, glauben nur 20 Prozent. Die eigene Unsicherheit könnte durch die Vermutung, der Bachelor sei auf dem Arbeitsmarkt unerwünscht, also noch verstärkt werden.

Deutsche Arbeitgeberverbände sehen den Bachelor allerdings positiver, als die Studierenden glauben. Mit Programmen wie „Bologna@Germany“, das bis 2012 „Bachelor Welcome“ hieß, versprechen sie Bachelor-Absolventen gute Chancen auf einen Berufseinstieg. Der Abschluss sei auf dem Arbeitsmarkt angekommen, 26 Prozent aller Unternehmen hätten bereits Bachelor-Absolventen eingestellt, hieß es 2012 in der Erklärung der Personalvorstände zu Bologna@Germany. Doch die Programme der Wirtschaft können den Studierenden offensichtlich nicht die Skepsis gegenüber dem Bachelor nehmen.

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