Umfrage unter Juniorprofessoren : Unzufrieden, weil Zukunftsperspektiven fehlen

Stehen Juniorprofessoren kurz vor dem Sprung in ihre weitere wissenschaftliche Karriere, wächst die Angst, keine Perspektive zu haben. Fast die Hälfte äußert sich "unzufrieden" mit ihrer Situation, klagt über fehlende Tenure-Track-Optionen.

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Ein Professor steht vor einem vollen Hörsaal.
Vorne stehen. 66,7 Prozent gaben an, kurz vor Ende ihrer Juniorprofessur noch keine sichere Beschäftigungsperspektive zu haben.Foto: dpa

Viele Juniorprofessoren, die in der Endphase ihrer Professur stehen, sind mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden. Das ergibt eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft Juniorprofessur unter 554 Kolleginnen und Kollegen, über die die Zeitschrift „Forschung und Lehre“ des Hochschulverbandes berichtet. 48,9 Prozent der Juniorprofessoren, deren Amt in diesem oder im kommenden Jahr ausläuft, sagen demnach, mit ihrer beruflichen und auch persönlichen Situationen „sehr unzufrieden“ oder „unzufrieden“ zu sein. In anderen Phasen fällt die Kritik deutlich geringer aus. Von denen, die noch mehr als ein Jahr Zeit haben, äußerten sich 23,3 Prozent unzufrieden, von Ehemaligen sagten dies 10,1 Prozent.

Die Juniorprofessur an sich wird weniger infrage gestellt

Die Kritik richte sich weniger gegen die im Jahr 2002 eingeführte Personalkategorie an sich als gegen fehlende Zukunftsperspektiven, heißt es. Tatsächlich gaben nur 21,7 Prozent der Juniorprofessoren in der Endphase an, mit der Ausgestaltung ihrer Professur unzufrieden zu sein. Über alle Juniorprofessorinnen und -professoren hinweg sind sogar noch weniger prinzipiell mit den Rahmenbedingungen ihrer Professur unzufrieden.

Vielmehr richte sich der Unmut gegen fehlende Zukunftsperspektiven. 66,7 Prozent gaben an, selbst kurz vor Ende der Professur noch keine Sicherheit für eine weitere Beschäftigung zu haben. Nur 18,4 Prozent rechnen damit, im Rahmen eines „Tenure Tracks“ an ihrer Hochschule bleiben zu können. Nicht alle Unis lösen dabei offenbar ihre Tenure-Track-Versprechen ein, wenn sie denn überhaupt eines geben: Von den ehemaligen Juniorprofessoren geben nur 62,8 Prozent an, der ihnen versprochene Tenure Track sei eingelöst worden. Viele von ihnen sind inzwischen aber andernorts auf eine Professur gekommen, heißt es in der Umfrage.

Tendenz steigend: Aktuell gibt es rund 1500 Juniorprofs

Mit der Einführung der Juniorprofessur verknüpfte sich eigentlich die Hoffnung, die Habilitation zu ersetzen – ein Ziel, das aber nicht erreicht wurde. Nachdem die Zahl der Juniorprofessuren jahrelang stagnierte, ist sie in der letzten Jahren aber wieder gestiegen. Aktuell gibt es laut Hochschulverband, der Interessenvertretung der Professorenschaft, rund 1500 Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren in Deutschland.

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