Wissen : Uni Lübeck auf Umwegen gerettet

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„Die medizinische Fakultät in Lübeck wird nicht geschlossen, die Studienplätze bleiben erhalten“, verkündete Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) am Donnerstagabend in Berlin. Gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) stellte er ein Konzept vor, mit dem die drohende Schließung der gesamten Universität abgewendet wird. Die Einsparsumme von 25 Millionen Euro, die das Land der Universität auferlegt hatte, soll durch die Umwandlung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (Geomar) an der Universität Kiel in ein Institut der Helmholtz-Gemeinschaft kompensiert werden.

Während sich Land und Bund die Finanzierung der Leibniz-Institute zu jeweils 50 Prozent teilen, werden Helmholtz-Einrichtungen zu 90 Prozent vom Bund getragen. Darüberhinaus wolle der Bund die Kosten für einen geplanten Neubau des Geomar und für ein neues Forschungsschiff übernehmen, sagte Schavan. Die Uni Lübeck soll zudem in eine Stiftungsuniversität umgewandelt werden.

Das Rettungskonzept alarmiert allerdings die Leibniz-Gemeinschaft. Er lehne eine solche Lösung der Finanzprobleme Schleswig-Holsteins ab, sagte der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Karl Ulrich Mayer, dem Tagesspiegel. Der Wechsel des Geomar-Instituts würde eine weitreichende Veränderung der Forschungslandschaft bedeuten. Das Geomar sei ein zentrales, eng mit anderen Einrichtungen der Meeres-, Klima- und Biodiversitätsforschung vernetztes Institut der Leibniz-Gemeinschaft.

Schavan erklärte dagegen, es sei „Einvernehmen mit allen Beteiligten hergestellt“ worden. Der Trägerwechsel sei seit langem geplant und in den letzten Wochen vor dem Hintergrund der drohenden Studiengangsschließung in Lübeck lediglich beschleunigt worden. Schavan stellte die Umwandlung in ein Helmholtz-Institut als Teil der „strukturellen Entwicklung der Forschungslandschaft in Deutschland“ dar. Es sei damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren weitere Forschungsinstitute in die weitgehende Bundesfinanzierung übernommen würden – auch weil die Länder mit dieser Aufgabe finanziell teilweise überfordert seien. Schavan rechtfertigte ihr Vorgehen in Kiel auch damit, dass die Erhaltung der Medizinstudienplätze in Lübeck „von gesamtstaatlichem Interesse“ sei.

Die Herauslösung des Geomar aus der Leibniz-Gemeinschaft soll binnen eines Jahres nachträglich vom Wissenschaftsrat begutachtet und empfohlen werden. Amory Burchard