Unis in Europa : Krakau statt Cambridge

Die EU will Universitäten in Osteuropa stärken. Denn bisher beklagen die östlichen Mitgliedsstaaten, dass sie bei den EU-Forschungsmitteln benachteiligt werden.

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Beim Stichwort „europäische Spitzenunis“ dürften die meisten an Cambridge, Oxford, die Sorbonne oder auch an deutsche Unis denken. Weniger im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen osteuropäische Hochschulen. Das soll sich nach dem Willen der Europäischen Union ändern. Im Jahr 2013 will die EU an fünf Unis oder Instituten in Osteuropa je einen millionenschweren Lehrstuhl einrichten. Diese Einrichtungen sollen so eine Koryphäe aus dem Ausland anwerben oder eine eigene herausragende Forscherin oder einen Forscher halten können.

Das ist ein Bestandteil der EU-Forschungsförderung bis Ende 2013. Bis dahin gibt die EU für Forschung insgesamt 8,1 Milliarden Euro aus. „Wir wollen Anreize geben, dass die Leute, die heute nach Cambridge kommen, künftig auch nach Warschau oder Krakau gehen“, sagte Rudolf Strohmeier von der EU-Forschungskommission, als er das Programm am Montag in Berlin vorstellte.

Die EU reagiert mit diesen „Lehrstühlen im Europäischen Forschungsraum“ auch auf Kritik aus den jungen EU-Mitgliedsstaaten am Europäischen Forschungsrat (ERC). Dessen Millionenstipendien werden nach Exzellenzkriterien vergeben, mit dem ERC soll das alte Brüsseler Proporzdenken bei der Forschungsförderung überwunden werden.

Was hierzulande kaum umstritten ist, löst in Osteuropa Ärger aus. Diese Länder argumentieren, dass vom Forschungsrat vor allem die ohnehin reichen Wissenschaftsnationen profitieren – Großbritannien, Deutschland, Frankreich. Deren Unis könnten den Stipendiaten die besten Bedingungen bieten. Die schwachen Staaten würden dagegen immer weiter abgehängt. Tatsächlich gingen nach Großbritannien bisher 550 ERC-Stipendien, nach Polen elf.

Zwar hätten die Osteuropäer eingesehen, dass „sie nicht weiter gegen Exzellenzkriterien anstänkern können“, sagte Strohmeier. Ihr Anliegen, zu exzellenten Strukturen kommen zu wollen, sei aber „berechtigt“. Zwar sind die insgesamt 12 Millionen Euro für die Lehrstühle bescheiden im Vergleich zu den 1,75 Milliarden Euro, die der ERC erhält. Die EU hofft aber, dass die Lehrstühle verkrustete Strukturen an den Unis aufbrechen – und dass sie viele junge Forscher beschäftigen. Inhaltlich gibt es keine Vorgaben.

Müsste es nicht solche Lehrstühle auch für Südeuropa geben, allen voran für Griechenland? Nein, sagte Strohmeier: „Griechenland bietet eine hervorragende wissenschaftliche Ausbildung. Die technische Fakultät der Uni Athen etwa ist erstklassig.“ Das Problem sei dort die fehlende Realwirtschaft. Insgesamt will die EU bei ihrer Forschungsförderung die Industrie stärker berücksichtigen. „Innovationen müssen näher an die Märkte gebracht werden“, sagte Strohmeier. Das gilt auch für das EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“, das von 2014 bis 2020 laufen soll. Tilmann Warnecke

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