United Nations University (UNU) : Die ganze Welt ein Campus

Krieg und Armut: Die Universität der Vereinten Nationen will die großen Themen anpacken. Nun vergibt sie erstmals in Deutschland Doktortitel, in Kooperation mit der TU Dresden.

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Gemeinsam lehren. Die TU Dresden ist Partnerin der UN-Universität.
Gemeinsam lehren. Die TU Dresden ist Partnerin der UN-Universität.Foto: picture alliance / dpa

Der Campus dieser Uni ist der ganze Erdball: In 12 verschiedenen Ländern gibt es Institute und Programme der United Nations University (UNU), vom Hauptsitz in Tokio spannt sich ihr Netz über den ganzen Globus. Sie ist ein autonomes Nebenorgan der Vereinten Nationen, wurde 1975 geschaffen, um deren Projekte wissenschaftlich zu untermauern. Eine „globale“ Universität ist sie nicht nur in geografischer Hinsicht. Auch inhaltlich beschäftigen sich ihre Wissenschaftler mit Fragen nach den großen globalen Zusammenhängen – wie denen von Krieg und Frieden, Nachhaltigkeit und Armut, Migration und Menschenrechten. In Island entwickeln sie etwa neue Strategien zur Nutzung von Erdwärme, in Kuala Lumpur erforschen sie die gesellschaftlichen Bedingungen von Gesundheit.

Wasser, Boden, Abfall nachhaltiger nutzen

Ab kommendem Oktober wird auch Dresden Teil dieses globalen Netzes sein. Dann startet die UNU den Promotionsstudiengang „Integrated Management of Water, Soil and Waste“ in Kooperation mit Dresdens Technischer Universität. Fünf bis sechs Doktoranden werden sieben Semester lang erforschen, wie die Ressourcen Wasser, Boden und Abfall nachhaltiger genutzt werden können. Es ist das erste Mal, dass die UNU in Deutschland Doktortitel vergibt. Bis jetzt gibt es in Deutschland lediglich ein Master-Programm, das vom Bonner UNU-Institut für Umwelt und Sicherheit in Kooperation mit der Uni Bonn angeboten wird.

Dass man überhaupt an der „Welt-Uni“ studieren kann, ist noch relativ neu. Erst seit 2009 darf die Uni auch selbst akademische Grade verleihen. Nun lernen an ihr weltweit etwa 180 Studierende in vier verschiedenen Masterstudiengängen und einem Promotionsstudiengang, etwa 70 Prozent von ihnen kommen laut Angaben der UNU aus Entwicklungsländern. Und in den nächsten Jahren ist die Einführung weiterer Studiengänge geplant.

Der Studiengang ist interdisziplinär

Das Dresdner Programm mit seiner Frage nach der nachhaltigen Nutzung von Wasser, Boden und Abfall passe ganz in das Profil der UNU, sagte der Dresdener Programmkoordinator Hiroshan Hettiarachchi: „Die Frage nach dem richtigen Umgang mit diesen drei Ressourcen ist eine der Kernfragen der Zukunft der Menschheit – besonders in Hinblick auf Entwicklungs- und Schwellenländer.“ Die Teilnehmer haben Zugang zu den Einrichtungen der TU Dresden und den weltweiten Instituten der UNU, zusätzlich können sie Praktika in UN-Institutionen absolvieren. Die Dissertationen, die sie am Ende abliefern, werden von Vertretern beider Unis geprüft.

Neu ist die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs: „Wir wollen, dass das Thema aus den unterschiedlichsten akademischen Blickwinkeln heraus erforscht wird“, erklärt Yongsheng Zhu, Manager des Direktorenbüros des Instituts. „Deswegen können sich bei uns Doktoranden verschiedenster Fachrichtungen bewerben.“ Sozialwissenschaftler könnten die öffentliche Wahrnehmung der Müll-Thematik in der Gesellschaft erforschen, Chemiker die Entwicklung neuer Recyclingmethoden für Elektroschrott.

Gesucht werden Spenden

Finanziert wird die UNU nicht durch die Vereinten Nationen selbst, sondern durch Spenden internationaler Organisationen, vor allem aber von den Gastgeberländern ihrer Institute. Schon ihre Gründung verdankte die UNU der japanischen Regierung, die mit einer 100-Million-Spende ihr Wohlwollen gegenüber der UN ausdrücken wollte. Auch das Dresdener Institut wird durch Mittel des Landes Sachsen und der Bundesregierung getragen. Jetzt hofft man auf weitere Geldgeber. „Wir sind in Verhandlung mit dem DAAD und einigen afrikanischen Ländern“, sagt Zhu, „wahrscheinlich können wir mit deren Hilfe bald auch Stipendien für die Doktoranden anbieten.“ Ob mit oder ohne Stipendium: Die Teilnehmer werden in vier Jahren die Ersten sein, die einen Doktortitel der deutschen Filiale der Welt-Uni tragen.

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