Willenskraft : Eine Chance für gute Vorsätze

In der Silvesternacht fassen viele Menschen gute Vorsätze. Wer an die eigene Willenskraft glaubt, kann konsequent bleiben.

Endlich konsequent Diät halten, mehr Sport treiben, nicht mehr so viele Überstunden machen oder immer rechtzeitig an Geschenke denken. Ob es gelingt, diese guten Vorsätze auch tatsächlich dauerhaft umzusetzen, hängt nach Erkenntnissen eines schweizerisch-amerikanischen Forscherteams vor allem davon ab, welche bewussten oder unbewussten Grundannahmen ein Individuum von der Willenskraft hat. Glaubt man, dass Willenskraft eine Ressource sei, die sich irgendwann erschöpfe, gibt man einen Vorsatz bald wieder auf. Hält man hingegen Willenskraft für einen Rohstoff des Geistes, der nicht versiege, bleibt man den Vorsätzen länger treu, zeigen die Forscher in der Fachzeitschrift „Psychological Science“.

„Die Ergebnisse dieser Studie sind besonders wichtig für Menschen, die mit vielen Ansprüchen an Selbstkontrolle konfrontiert sind“, resümiert Veronika Job von der Universität Zürich. „Menschen etwa, die ihren Lebenswandel durch Sport oder Diät nachhaltig verändern möchten oder Menschen, die während bestimmter Phasen an ihrem Arbeitsplatz viel Konzentration und Ausdauer benötigen. In diesen Situationen kann es wichtig sein, zu wissen, dass Selbstkontrolle viel weniger limitiert ist, als dies bisher angenommen wurde.“

In einem ersten Experiment hatte das Team mittels eines Fragebogens erhoben, wie die Versuchsteilnehmer über Willenskraft dachten. Sie sollten angeben, ob sie Aussagen zustimmten wie: „Nach einer anstrengenden mentalen Tätigkeit ist meine Energie erschöpft und ich muss mich erholen, um sie wieder aufzutanken.“ Anschließend hatten sie eine Reihe von Aufgaben zu lösen, die Willenskraft – oder wissenschaftlich ausgedrückt: Selbstkontrolle – erfordern. Unter anderem mussten sie in einem Text den Buchstaben „e“ durchstreichen oder die Farbe von Wörtern benennen, wobei die Bedeutung des Wortes häufig nicht mit der Farbe der Schrift übereinstimmte. Wie in den bekannten Stroop-Tests war etwa das Wort „rot“ in grüner Farbe geschrieben.

Das Experiment zeigte, dass in den jeweiligen Folgeaufgaben ausschließlich jene Probanden schlechter abschnitten, die glaubten, dass Willenskraft durch ihren Einsatz verbraucht würde, dass sie also durch Anstrengung weniger wird. Personen hingegen, die davon überzeugt sind, dass Willenskraft nicht verbraucht würde, zeigten keine Leistungseinbußen.

In zwei weiteren Experimenten wurde diese Versuchsanordnung wiederholt, mit dem Unterschied, dass den Teilnehmenden eine der beiden Sichtweisen suggeriert wurde. Hierzu wurden Fragebogen konstruiert, die eine der zwei Haltungen (Willenskraft ist begrenzt verfügbar versus unbegrenzt verfügbar) stark hervorhoben und eine Zustimmung nahelegten. Auch hier zeigte sich, dass bei den nachfolgenden Selbstkontrollaufgaben nur jene Versuchspersonen schlechtere Leistungen erbrachten, die dahingehend beeinflusst wurden, zu glauben, dass Willenskraft eine begrenzte Ressource sei.

Der Glaube, Selbstkontrolle sei eine unbegrenzte Ressource, könnte in manchen Situationen Wunder wirken, vermuten die Forscher. Wer etwa eine Prüfung vor sich hat, könnte sich vornehmen, in den letzten Wochen vor dem Examen gesund zu essen, immer ausreichend zu schlafen und nur zu bestimmten Tageszeiten zu lernen. Mit der richtigen Einstellung könnte man das durchhalten und auf diese Weise gesund und geistig fit die Prüfung bestehen. wsa

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