Wissenschaftlicher Nachwuchs : 5000 statt 1000 neue Professuren gefordert

Bund und Länder wollen am 20. Mai ein Programm für 1000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren beschließen. Das reicht nicht, sagt die GEW - und fordert 5000.

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Ein junger Dozent steht in einem Hörsaal an der Tafel und erklärt Formeln.
Die richtige Formel. Verbessern will die GEW auch das Betreuungsverhältnis von Lehrenden zu Studierenden - von jetzt 1:70 auf...Foto: IMAGO

Dem wissenschaftlichem Nachwuchs wollen Bund und Länder mit einem Förderprogramm helfen. Mit bis zu einer Milliarde Euro sollen ab dem kommenden Jahr 1000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren aufgebaut werden. So hat es die große Koalition 2015 beschlossen. Und so ähnlich wird es die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz aller Voraussicht nach am 20. Mai auch verkünden. Damit wird das Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses allerdings weit unter den Erwartungen der organisierten scientific community bleiben.

Die GEW will ein Fünf-Milliarden-Programm

Nachdem die Rektoren vor drei Jahren 3000 und der Wissenschaftsrat 7000 zusätzliche Professuren gefordert haben, verlangte zuletzt der Hochschulverband 7500. Am Donnerstag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nachgelegt – mit der Forderung nach 5000 Tenure-Track-Professuren, die mit einem Fünf-Milliarden-Programm aufgebaut werden sollten. Außerdem sollten alle bereits bestehenden 1600 Juniorprofessuren mit einem Tenure Track, also mit einer Überleitung auf eine unbefristete Professur nach sechs Jahren und einer positiven Evaluation, versehen werden.

Mittelfristig zwei Millionen Studierende an den Hochschulen

Dies untermauert die GEW mit einer Expertise von Anke Burkhardt vom Institut für Hochschulforschung in Halle. Sie hat den Bedarf anhand einer Prognose der Studierendenzahlen berechnet. Demnach ist davon auszugehen, dass an den Hochschulen bis 2026/27 in Jahresdurchschnitt zwei Millionen Studierende immatrikuliert sind. Zum anhaltenden „Hochplateau“ würden Flüchtlinge beitragen, die ein Studium aufnehmen, sagt Burkhardt. Ihre Zahl der zur Betreuung der Studierenden benötigten 5700 Professuren ergibt sich aus einem deutlich besseren Betreuungsverhältnis – von heute 1:70 auf 1:40 – und aus dem Ersatzbedarf für Professoren, die in den Ruhestand gehen.

Geld für den Mittelbau - aus einem verstetigten Hochschulpakt

Auch an den Mittelbau denkt die GEW – mit einer „Entfristungsoffensive“. Sie soll durch eine höhere Grundfinanzierung der Hochschulen möglich werden, für die der 2020 auslaufende Hochschulpakt von Bund und Ländern verstetigt werden müsste, sagte GEW-Vize Andreas Keller.

"Strategieaufschlag" für Karrierewege im Bundesprogramm

So weit Gewerkschaft und andere Verbände bei der Zahl der Professuren mit der Politik auseinanderliegen: Beim Bestreben, langfristig deutlich mehr Dauerstellen im Mittelbau zu schaffen, könnten sie wieder zusammenkommen. Zum einen soll es im Professoren-Programm von Bund und Ländern bereits einen „Strategieaufschlag“ in Höhe von 15 Prozent pro Professur geben, um auch Karrierewege außerhalb der Professur zu fördern. Zum anderen sollen die Staatssekretäre beraten, ob der Hochschulpakt verstetigt werden kann.

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