Wissenschaftsrat : Lehrer nach Halle, Mediziner nach Magdeburg

Der Wissenschaftsrat empfiehlt Sachsen-Anhalt einen Umbau seiner Hochschullandschaft: Die Lehrerbildung soll an der Uni Halle konzentriert werden, dafür soll nur noch Magdeburg die Vorklinik in der Medizinerausbildung anbieten.

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Unimitarbeiter in Halle demonstrieren gegen Sparmaßnahmen.
Protest. Die Unimedizin in Halle soll bleiben, die Vorklinik aber schließen.Foto: ZB

Der Wissenschaftsrat warnt vor „sofortigen Einsparungen“ bei den Hochschulen in Sachsen-Anhalt. Ein gut ausgebautes Hochschulsystem sei entscheidend, um den Folgen des demografischen Wandels zu begegnen, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Empfehlung des Wissenschaftsrats. Die ehemalige Wissenschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, Birgitta Wolff (CDU), hatte das Gremium 2011 um eine Evaluierung der Hochschullandschaft gebeten.

Die Landesregierung unter Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) war der für den Sommer angekündigten Empfehlung in diesem Frühjahr mit einem Sparszenario für die Hochschulen und insbesondere für die Unimedizin zuvorgekommen. Als Wolff dagegen protestierte, wurde sie entlassen. Geplant sind Einsparungen von 50 Millionen Euro ab dem kommenden Jahr bis 2025. Der Wissenschaftsrat plädiert jetzt dafür, die Sparmaßnahmen für eine „Umbauphase“ von fünf Jahren auszusetzen.

Die Experten unter der Leitung des Bildungsforschers Manfred Prenzel betonen, dass die Universitäten und Fachhochschulen des Landes auch für Studierende aus den westlichen Bundesländern in den vergangenen Jahren deutlich attraktiver und die Unis durch die Bildung von Forschungsschwerpunkten wettbewerbsfähiger geworden seien. Gleichwohl bleibe das Hochschulsystem „hinter seinen wissenschaftlichen Möglichkeiten zurück“, heißt es. Der Wissenschaftsrat mahnt schärfere wissenschaftliche Profile und mehr regionale Kooperationen zwischen Unis, Fachhochschulen, außeruniversitären Instituten und der Wirtschaft an. Dafür sollten Kooperationsplattformen geschaffen werden. Die Universität Halle und die FH Anhalt etwa könnten in der Pflanzenforschung bundesweit führend werden. Für die Unis in Halle und Magdeburg, die FHs Merseburg, Magdeburg-Stendal und Harz sieht der Wissenschaftsrat in der Polymerwissenschaft und in der Kunststofftechnik eine Zukunft. Die Universität Halle soll ihr Engagement im Universitätsverbund mit Jena und Leipzig verstärken und speziell ihre Kleinen Fächer in dieser Kooperation weiterentwickeln. Gleichzeitig sollen die Hochschulleitungen mehr „strategische Kompetenzen“ erhalten. Das Land wird aufgefordert, den Anteil der frei verfügbaren Finanzmittel, die als Leistungsanreize eingesetzt werden, zu erhöhen.

Halle bleibt Medizinstandort - und sieht sich trotzdem bedroht

Zu den Streichungen, die der Wissenschaftsrat vorschlägt, gehört die Lehramtsausbildung an der Uni Magdeburg. Sie solle bis 2020 auslaufen und in Halle konzentriert werden. In Magdeburg sollten stattdessen die Ingenieurwissenschaften, die Wirtschaftswissenschaften und die Medizin gestärkt werden.

Für die Hochschulmedizin in Halle hat der Wissenschaftsrat eine eigene Empfehlung abgegeben. Sie sieht sich durch die Sparvorgaben des Landes besonders bedroht und fürchtet ihre Abwicklung. Die Experten sprechen sich nun dafür aus, Halle als „klinisch-medizinischen Standort“ zu erhalten. Allerdings solle die Vorklinik, der erste Abschnitt der Medizinerausbildung, nach Magdeburg verlagert werden. Dies würde es Halle ermöglichen, Forschungsschwerpunkte in der Epidemiologie, den Gesundheits- und Pflegewissenschaften oder auch der Molekularen Zellbiologie weiter auszubauen. Trotz neuer Initiativen in diesen Bereichen, großer Fortschritte in der Lehre und einem guten Niveau der Krankenversorgung seien Forschungsqualität und -quantität der Medizin in Halle bislang „weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben“, heißt es.

Die Medizinische Fakultät in Halle lehnt die Verlagerung der Vorklinik nach Magdeburg sowie die Konzentration auf wenige Forschungsschwerpunkte ab. Damit wäre die Unimedizin für qualifiziertes Personal nicht mehr attraktiv und der Standort „langfristig nicht lebensfähig“, hat der Dekan gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung erklärt.

Die Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalts forderte die Landesregierung auf, ihr Kürzungsvorhaben aufzugeben und die Empfehlung des Wissenschaftsrats „in ein Konzept zur Hochschulstruktur des Landes einfließen zu lassen“.

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