Zum Tod von Klaus Landfried : Den Elfenbeinturm aufmischen

Als Präsident der Hochschulrektorenkonferenz in den Jahren 1997 bis 2003 hat Klaus Landfried an prägenden Reformen mitgewirkt. Jetzt ist der streitbare Hochschulmanager im Alter von 73 Jahren gestorben.

von
Ein Porträtfoto von Klaus Landfried.
Klaus Landfried (1941 bis 2014).Foto: picture alliance/dpa/dpaweb

Die Reformen, für die sich Klaus Landfried eingesetzt hat, haben an den Hochschulen nachhaltig eingeschlagen. Die Bologna-Reform, die Landfried als Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) maßgeblich vorantrieb, kann heute als so weit reformiert gelten, dass die anfangs teilweise „unstudierbaren“ Bachelor-Studiengänge weitgehend akzeptiert sind. Klaus Landfried hat diesen Prozess 2009 auf seine Weise kommentiert: „Fast alles, was die Jammerer im Elfenbeinturm (und einige ihrer journalistischen Gefolgsleute) da an Beschwerden vorbringen, haben sie, die Profs, selber erzeugt.“

"Faule" Professoren? Landfried verordnete den Leistungslohn

Unvergesslich auch, wie der HRK-Chef auf die „Faulpelze“ unter den Professoren schimpfte – und dann die leistungsbezogene W-Besoldung durchsetzte. Das führte zu einer handfesten Auseinandersetzung mit der Standesvertretung der Professoren, dem Hochschulverband. Scharfzüngigkeit und Angriffslust waren bei Klaus Landfried aber immer mit Charme verknüpft.

Studiert hat er – neben Neuerer Deutscher Literatur – eine beeindruckende Reihe von Fächern, die man unter Political science zusammenzufassen pflegt. Ein Diplomat ist er dabei nicht geworden. 1970 wurde Landfried in Heidelberg mit einer Arbeit über die politischen und weltanschaulichen Vorstellungen Stefan Georges und seines Kreises promoviert – bei einem der maßgeblichen Politikwissenschaftler der Nachkriegszeit, Dolf Sternberger.

Große Leidenschaft für die Gremienarbeit und das Netzwerken

Sein Ruf 1974 als Professor für Politikwissenschaft an die Universität Kaiserslautern führte Landfried alsbald ins Hochschulmanagement – ein Geschäft, das er mit einer großen Leidenschaft für die Gremienarbeit und das Netzwerken betreiben sollte: 1987 wurde er in Kaiserslautern zum Präsidenten gewählt, zehn Jahre stand er an der Spitze der Hochschule. Von 1991 bis 1997 war Landfried zunächst Vize-Präsident, von 1997 bis 2003 Präsident der HRK. Neben Bologna und W-Besoldung trieben Landfried etwa auch neue Formen der Finanzierung des Hochschulbaus um – und die Internationalisierung der Hochschulen. Anfang der 70er Jahre hatte er als John F. Kennedy Memorial Fellow in Harvard geforscht.

Später wurde Landfried zum Headhunter für Unipersonal

Nach seiner Amtszeit als Repräsentant der deutschen Hochschulen war Klaus Landfried in vielfältiger Weise als Ratgeber tätig. Dazu gehörte die Mitgliedschaft im Beirat des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh. Seine weitreichenden Personalkenntnisse machten ihn bei der Suche nach geeigneten Kandidaten für Leitungspositionen im Hochschulbereich zu einem gefragten „Headhunter“. Am 11. Oktober ist Klaus Landfried im Alter von 73 Jahren in seiner Heimatstadt Heidelberg überraschend gestorben. Die deutsche Hochschulpolitik verliert in ihm eine über seine Ämter hinaus aktive und einflussreiche Persönlichkeit.

Der Autor war Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz und Wissenschaftssenator in Berlin.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben