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Asteroid : Schramme am Himmel

15.02.2013 00:00 Uhrvon
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.  Foto: TagesspiegelBild vergrößern
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann. - Foto: Tagesspiegel

Wenn man bedenkt, dass der Mensch, nehmen wir den Mittfünfziger mit seiner normalen Beinlänge von insgesamt 172 Zentimetern, im durchschnittlichen Schritttempo auf etwa sechs Kilometer in der Stunde kommt, dann sind acht Kilometer in der Sekunde verdammt schnell. Aber der Mensch, nicht einmal der adipöseste, ist in der Regel auch nicht 130 000 Tonnen schwer, und er wird auch selten, nicht einmal der Scheinriese Turtur oder Dirk Nowitzki, 45 Meter groß. Vor allen Dingen heißt kein Mensch 2012 DA14. Wenn Eltern ihrem Kind einen so bescheuerten Namen geben würden, gehörten sie auf den Mond geschossen. Möglicherweise können sie auf dem Weg dorthin das Original treffen, den Asteroiden 2012 DA14. Anschauen können sie sich ihn allerdings schon am heutigen Freitag.

Um 20.24 Uhr hiesiger Zeit nämlich fliegt 2012 DA14 mit eben diesen acht Kilometern in der Sekunde an der Erde vorbei, über der Insel Sumatra in der Südsee. Glaubt man ein paar Hysterikern und dem Boulevard der Zeitungsmacher, schrammt er denkbar knapp an der Erde vorbei, trifft sie aber nicht. Uff! Glück gehabt.

Wahrscheinlich werden da draußen und auf dem Boulevard der Hysteriker Entfernungen anders gemessen, tatsächlich kommt 2012 DA14 der Erde nur so nahe wie noch kein anderer Himmelskörper zuvor, nahe, das sind in diesem Fall 27 500 Kilometer. Zum Vergleich, wenn man zum Beispiel Deutschland umrunden will, zu Fuß etwa und warum denn nicht, dann muss man etwa 3700 Kilometer ablaufen. Die gesamte Erde hat einen Umfang von 40 075 Kilometern, in die Schramme zwischen ihr und 2012 DA14 passt sie also noch einmal zur satten Hälfte rein.

Was ein echter Hysteriker ist, der Nähe scheut wie der Teufel das Weihwasser, ist das natürlich immer noch zu knapp. Wenn der Asteroid schon nicht auf die Erde prallt, sagen sie, dann kann er immerhin unsere Telefone und Fernseher lahmlegen. Indem er sich nämlich in besetzte Umlaufbahnen drängelt oder sie kreuzt und dann, rumms, den ein oder anderen Satelliten abräumt. Schon flackert heute Abend Jörg Pilawa beim Millionen-Quiz. Und die Handys und die Festnetze spielen auch verrückt. Wozu im Übrigen der ein oder andere Telefonanbieter, zu denken ist da zum Beispiel an Vodafone und T-Mobile, gar keinen Asteroiden braucht. Nach zwei Stunden ist der Spuk und Asteroid vorbei an der Erde, mit acht Kilometern in der Sekunde. Der Mittfünfziger geht lieber langsam.Helmut Schümann

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