50 Jahre Maientage in Neukölln : Da wackelt die Hasenheide

Seit 50 Jahren gibt es die Neuköllner Maientage. Von Anfang an dabei ist Thilo-Harry Wollenschlaeger – der Rummelchef. Sein Vater hat das beliebte Volksfest initiiert. Dieses Jahr hofft der Schausteller auf 500 000 Besucher.

Sophie Aschenbrenner
50-jähriges Jubiläum in der Hasenheide. Die Neuköllner Maientage eröffnen am 29.4.2015. Noch geht der Mops gemütlich über das Gelände.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
28.04.2015 15:4650-jähriges Jubiläum in der Hasenheide. Die Neuköllner Maientage eröffnen am 29.4.2015. Noch geht der Mops gemütlich über das...

Als Thilo-Harry Wollenschlaeger noch klein war, haben ihn im Volkspark Hasenheide vor allem die Spielplätze interessiert. Gern erzählt er, wie sein Vater einmal seine Losbude schließen musste und alle Angestellten auf die Suche nach seinem Sohn schickte: „Ich war natürlich auf einem der wunderbaren Spielplätze im Park.“ Dabei ist Wollenschlaeger sozusagen auf einem großen Spielplatz aufgewachsen: Er kommt aus einer Schaustellerfamilie. Es war sein Vater, der gemeinsam mit Hans Purwin 1965 das erste Mal die Neuköllner Maientage veranstaltete.

Das Volksfest in der Hasenheide feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag, mittlerweile organisiert Thilo-Harry Wollenschlaeger die Maientage. Seit fünf Generationen gehört die Familie zu den Schaustellern. Thilo-Harry wurde an dem Tag geboren, als der erste Vertrag mit dem Bezirksamt Neukölln unterzeichnet wurde und das Fest besiegelte. Wollenschlaegers Vater trank auf den Maientagen schon Bier mit Willy Brandt, damals Regierender Bürgermeister von Berlin.

Mittwoch ist Familientag

Für den Schausteller sind die Maientage „Berlins schönstes Parkfest“. Und das scheint nicht nur er so zu sehen: Die Fahrgeschäfte und Attraktionen lockten vergangenes Jahr etwa 400 000 Besucher in die Hasenheide. Zum

Jubiläum sollen es noch mehr werden. „Wir hoffen, dass wir dieses Jahr die 500 000 knacken“, sagt Wollenschlaeger. Am Mittwoch startete das Fest mit dem Familientag. Jeden Mittwoch kann man alle Bahnen und Karussells zum halben Preis fahren. Die Lage des Festes zwischen Neukölln und Kreuzberg sorgt auch für ein Multikulti-Publikum.

Zu diesem gehört auch Darin Merhi. Die 17-jährige Gymnasiastin, deren Familie vor 26 Jahren aus dem Libanon nach Berlin kam, ist mit den Maientagen aufgewachsen. Ihre Familie wohnt ganz in der Nähe. Dieses Jahr hat sie einen besonderen Grund für den Besuch: Darin hat den Malwettbewerb der Maientage gewonnen und ihr Bild ziert nun alle Plakate des Festes. Der Wettbewerb findet jährlich an allen Neuköllner Schulen statt, teilgenommen hat Darin schon öfter: „Dieses Mal war meine letzte Chance, nächstes Jahr bin ich zu alt.“

Ein Zeichen der Völkerverständigung

Die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey hat den Malwettbewerb bereits als Schulstadträtin begleitet. Gestern eröffnete sie in ihrer neuen Position die Maientage offiziell beim Fassbieranstich.

„Ich hoffe, dass mir das gelingt“, sagte sie am Montag. Giffey betont, dass die Maientage bereits ein „Zeichen der Völkerverständigung und der Begegnung“ waren, als sie vor 50 Jahren erstmals im geteilten Berlin stattfanden. Damit die Besucher auch weiterhin friedlich miteinander feiern können, hat Wollenschlaeger vor einigen Jahren einen privaten Sicherheitsdienst eingestellt und ein Beleuchtungskonzept für den Heimweg organisiert.

Knapp 100 Schausteller aus ganz Europa sind dieses Jahr auf den Maientagen vertreten. So gibt es die „Bayern Rutsch’n“, eine Wasserrutsche vom Münchner Oktoberfest, und das Black Hole, eine Achterbahn im Dunkeln, die für Wollenschlaeger zu den größten Attraktionen gehört.

Und was – außer Spielplätzen – hat das Kinderherz des Chefs vor vielen Jahren höher schlagen lassen? „Ich bin am liebsten Autoscooter gefahren“, sagt er. Das mache er auch heute noch gern. „Nur alles, was sich schnell dreht, kann ich heute nicht mehr fahren. Da wird mir schlecht.“ Manchmal müsse er seinen Kindern zuliebe aber trotzdem durch, erzählt der Schausteller und sagt grinsend: „Wenn ich dann kreidebleich dasitze, haben die ja auch ihren Spaß.“

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