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Abschlussklausuren gestohlen : Schüler müssen Prüfungen wiederholen

Der Albtraum aller Schüler: Einer Berliner Lehrerin sind auf einer Bildungsreise in Spanien die Abschlussarbeiten gestohlen worden. Die Schüler der Wilma-Rudolph-Oberschule müssen nun noch einmal büffeln.

von und Lena Appel
Konzentration bitte! Seit April legen Schüler in Berlin das Abitur und den Mittleren Schulabschluss (MSA) ab.
Konzentration bitte! Seit April legen Schüler in Berlin das Abitur und den Mittleren Schulabschluss (MSA) ab.Foto: dpa

Sie haben wochenlang für die Abschlussklausuren gelernt, schlecht geschlafen, ihr Bestes gegeben – und dann war alles umsonst. So erging es nun 28 Jugendlichen der Wilma-Rudolph-Oberschule in Dahlem: Ihre Prüfungshefte wurden während einer Reise in Spanien gestohlen. Dorthin hatte ihre Lehrerin neun Englisch-Abiturklausuren und 19 Arbeiten zum Mittleren Schulabschluss (MSA) der 10. Klassen mitgenommen. In Santander hatte sie sechs Elftklässler auf einen EU-Schülerkongress begleitet; dort wollte sie auch die Arbeiten kontrollieren. Doch am Abreisetag verschwand ihre Tasche auf dem Busbahnhof – samt der Prüfungen der Schüler.
„Das ist sehr bedauerlich und ärgerlich“, sagt Schulleiter Hans-Günther Bauer. Dass die Schüler sich einen Scherz erlaubt haben, schließt er aus: „Von den Klausurschreibern war ja keiner dabei.“ Außerdem habe niemand gewusst, was die Lehrerin in der Tasche habe.

Die Lehrerin hat Anzeige erstattet, Hinweise auf die Täter gibt es nicht. Und selbst wenn die Arbeiten wieder auftauchten, dürften sie nicht gewertet werden. „Die Klausuren müssen trotzdem wiederholt werden“, sagt Schulleiter Bauer. Die Senatsverwaltung hat den Termin bereits angesetzt: Am regulären Nachschreibtag am 13. Mai müssen die Zehntklässler ihre MSA-Deutsch-Klausuren und am 17. Mai die Abiturienten ihre Englisch-Leistungskursprüfungen wiederholen. „Das Anforderungsniveau wird genauso sein wie bei der ersten Klausur. Vielleicht haben die Schüler sogar einen kleinen Vorteil, weil sie die Themen schon kennen“, so Bauer. Ein schwacher Trost für die Schüler. Bedrückung herrscht vor allem bei den Abiturienten, die eine Abschlussfahrt für Mitte Mai geplant hatten und jetzt in Berlin bleiben müssen. Viele der MSA-Schüler zeigen sich eher gelassen. „Das ist nicht zwar so toll, aber dann müssen wir die Prüfungen eben nachschreiben“, sagt einer der betroffenen Zehntklässler. Von Seiten der Eltern habe es dagegen viele empörte Reaktionen gegeben. Aus dem Kollegium kommen aufmunternde Worte für Mechthild F.: „Sie ist eine tolle Lehrerin, die nun sehr bestürzt ist. So etwas hätte jedem von uns passieren können“, sagt Kollegin Jasmina Murad. Die Stimmung an der Schule sei gedämpft, natürlich reden alle über den Vorfall, eine offizielle Ansprache habe es aber noch nicht gegeben.
„Es gibt schulrechtlich keine zentralen Vorgaben, an welchem Ort Klausuren zu korrigieren sind“, erklärt Beate Stoffers, Sprecherin des Senats für Schule und Bildung. „Es gilt lediglich, dass dienstliche Unterlagen sicher aufbewahrt werden müssen.“ Ein Verbot, Arbeiten außerhalb der Schule zu korrigieren, existiert nicht. In Berlin ist dies der erste Fall von Klausurdiebstahl, „dem größten Albtraum eines jeden Lehrers“, sagt Schulleiter Bauer. Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2006, ebenfalls in Spanien: Da wurden einem Biologielehrer aus Hessen sämtliche Abi-Arbeiten gestohlen.
In Berlin waren erst vergangene Woche Fehler in der Aufgabenstellung der Matheabschlussprüfung von 700 Berufsschülern bekannt geworden. Auch sie müssen die Klausur wiederholen.

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