Abwasserkanäle : Elektronase soll Gestank in Gullys messen

Kampf gegen Faule-Eier-Geruch. In einem Neuköllner Pumpwerk werden Geräte entwickelt, die die Gase in Berlins Abflüssen messen. Noch aber sind sie zu teuer.

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Noch funktioniert es nur im Labor. Regina Schmitt, Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Wasser, entnimmt eine Geruchsprobe aus einem abgetrennten Abwasserkanal.
Noch funktioniert es nur im Labor. Regina Schmitt, Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Wasser, entnimmt eine Geruchsprobe aus einem...Foto: dpa

Aus den Abwasserkanälen der Hauptstadt stinkt es immer wieder nach faulen Eiern. Über 120 Anrufe gehen bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) pro Jahr ein, in denen sich Anwohner über beißenden Gestank aus Gullideckeln beschweren. Und es kostet die Stadt jährlich etwa eine Million Euro herauszufinden, wodurch die müffelnden Ausdünstungen ausgelöst wurden, und sie anschließend zu beseitigen. Aus diesen Gründen finanzieren die BWB gemeinsam mit einem großen Abwasserentsorger ein kurios klingendes Forschungsprojekt: In einem alten Neuköllner Pumpwerk bastelt das Kompetenzzentrum Wasser Berlin an elektronischen „Nasen“, die den Gestank bestimmten Gasen zuordnen können.

„Die Geräte sollen einmal ermöglichen, dass in Berlin kontinuierlich Daten zur Gasentwicklung in den Abwasserkanälen gewonnen werden“, sagt Andreas Hartmann, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums, das sich schon seit zehn Jahren Fragen rund um das Thema Wasserqualität stellt. Gestank könnte dann schneller und effektiver bekämpft werden. Oftmals müsste etwa zusätzlicher Sauerstoff in die Kanäle geleitet oder Schächte mit Filtern versehen werden, berichtet Hartmann.

Über zehn feine Sensoren ermitteln die handtaschengroßen Kästen genau, welche Gase sich im schmutzigen Abwasser entwickeln. Besonders häufig entsteht eine nach faulen Eiern riechende Schwefelverbindung, die gärt, wenn das Wasser zu warm ist und zu langsam fließt. Viele der Gase stinken sogar nicht nur, sondern greifen die unterirdische Bausubstanz auch an.

Bisher funktionieren die Nasen nur im Labor des Kompetenzzentrums – an zwei alten, abgetrennten Abwasserkanälen, durch die die Forscher eine künstlich erzeugte Abwasserpampe laufen lassen. Sie arbeiten aber daran, die Modelle für den Einsatz in der Unterwelt zu präparieren. Und sie noch kostengünstiger zu machen: Noch beläuft sich der Preis für ein Gerät auf etwa 15 000 Euro. Bei einer gesamten Abwasserkanallänge von etwa 9000 Kilometern dürfte das noch zu teuer sein.

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