Albtraum während der Narkose : Berliner Zahnarzt wegen Missbrauch verurteilt

Ein Zahnarzt missbrauchte nach einem Eingriff eine 25-jährige Patientin. Der Arzt gestand, die Richter verurteilten ihn zu einem Jahr auf Bewährung.

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Justitia (Symbolbild)
Justitia (Symbolbild)Foto: helmutvogler Fotolia

Der angeklagte Zahnarzt senkte den Kopf. Voller Selbstmitleid, so schien es, die Hände gefaltet. Eine junge Patientin erlebte in seiner Praxis in Berlin den Albtraum: Sie lag nach einer Operation unter Vollnarkose auf der Liege und bemerkte wie im Nebel, dass sie sexuell missbraucht wurde. Sediert und unfähig, sich zu wehren. 14 Monate später stand der Arzt am Dienstag nun vor einem Richter des Amtsgerichts Tiergarten.

Das Geständnis kam leise. „Es ist geschehen, wie die Patientin schilderte. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist“, erklärte der Angeklagte und bat mehrfach um Vergebung. Er habe sich bereits in eine Psychotherapie begeben, er neige im Stress zur Überreaktion. Der Geschädigten habe er zudem 8000 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich überwiesen. „Ich gehe auch davon aus, dass mir die Approbation entzogen wird“, sagte der Angeklagte.

„Der Arzt hat mich angefasst“

Laura T. brauchte viel Kraft für ihre Aussage im Prozess. „Ich denke ständig an das Geschehen“, begann die Studentin (25). „Ich sehe mich hilflos auf der Liege, kann nichts tun, muss es geschehen lassen, kann mich einfach nicht wehren.“ Sie sah zum Angeklagten: „Und das von einem Arzt, von dem man denkt, dass er einem hilft.“ Es geschah nach einer Weisheitszahnoperation. „Ich lag im Aufwachraum“, schilderte die Studentin. „Er hat meine Brust geknetet, seine Hand zum Schritt geschoben.“ Als sie aus der Narkose erwachte, saß ihr Freund an ihrem Bett. Immer wieder habe sie gesagt: „Der Arzt hat mich angefasst.“ Der Freund reagierte sofort. Er alarmierte die Polizei. Es wurden Spuren gesichert. An ihrem BH und am Slip – jeweils an der Innenseite – wurde die DNA des Zahnarztes entdeckt.

Das Gutachten lag im letzten Dezember vor, ein halbes Jahr nach der Tat. Kurz danach kam vom Angeklagten ein Entschuldigungsbrief. Bis dahin war es für Laura T. eine Zeit extremer Unsicherheit. „Ich fragte mich ständig, ob meine Erinnerungen wahr sind.“ Der Übergriff belaste sie bis heute stark. Der Zahnarzt hatte einige Wochen nach dem Missbrauch seine damalige Freundin verprügelt. Das Amtsgericht verhängte nun eine Gesamtstrafe von einem Jahr Haft auf Bewährung. Berücksichtigt wurde, dass es „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu berufsrechtlichen Konsequenzen kommt“.

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